Hans Zender. Foto: Barbara Fahle

Hans Zender. Foto: Barbara Fahle

Schrulliger Landadel in Frankfurt

Hans Zender hat sich der großen tragikomischen Figur des Don Quichotte angenommen und diese über Jahrzehnte in einem Bühnenwerk verarbeitet. Das Ensemble Modern führt nun einige der "theatralischen Abenteuer" auf.

Hans Zenders Oper ›Don Quijote de la Mancha‹ nach dem gleichnamigen Roman von Miguel de Cervantes ist am 6., 8. und 11. Dezember in einer neuen Frankfurter Fassung im Frankfurt LAB (jeweils 19.30 Uhr) zu erleben. In den Titelrollen sind der Bassbariton Otto Katzameier als Don Quijote und der Tenor Winfrid Mikus als Sancho Panza zu hören. Die weiteren Gesangspartien übernehmen Solisten der SCHOLA Heidelberg, die Leitung hat Johannes Kalitzke.

Die Aufführungen finden im Rahmen der ›heim.spiele‹ des Ensemble Modern statt: In über 20 Veranstaltungen vom 3. Dezember 2016 bis 5. Januar 2017 präsentiert das Ensemble fünf szenische, multimediale Produktionen. Neben ›Don Quijote‹ im Frankfurt LAB finden in Kooperation mit der Oper Frankfurt vier weitere Produktionen im Bockenheimer Depot statt.

Mit seiner Oper ›Don Quijote de la Mancha‹ (1989/1991/1994) widmet sich Hans Zender einem tragischen und zugleich komischen Stoff: Der Landadlige Don Quijote mit einer großen Vorliebe für Ritterromane ist so tief in die Welt aus Drachen- und Riesentötern, bösen Zauberern und schönen Burgfräulein eingetaucht, dass er loszieht, um seine aus Büchern gewonnenen Ideale vom richtigen Leben zu verwirklichen. Was ist Wirklichkeit, was ist Fantasie? Das ist die zentrale Frage, die zum Streit zwischen Knecht und Herrn führt. Die Wahrnehmungen von Sancho Panza und dem Ritter von der traurigen Gestalt sind unterschiedlicher Art, was zu einer humorvoll geratenen Auseinandersetzung führt.

Aus den im Untertitel benannten ›31 theatralischen Abenteuern‹ – Szenen in variierender Besetzung – kann eine Auswahl in freier Reihenfolge aufgeführt werden. So wird praktisch jede Produktion zur Uraufführung; zumal zwei Szenen in Frankfurt erstmals gegeben werden. Dabei konzentriert sich die Frankfurter Fassung auf die Figur des Don Quijote. Alles in diesen Szenen ist komponiert, selbst wenn keine Musik zu hören ist. Auch Sprache hat Melodie, Bewegung ist Rhythmus, Aktionen sind präzise notiert. In der Isolation der verschiedenen Komponenten spiegelt sich der multiple Charakter des verstörten Ritters. Ein pausenloses, multiperspektivisches Bühnengeschehen will eine intensive Spannung zwischen Komik und Tragik herstellen.

Hans Zender, der in diesem Jahr am 22. November seinen 80. Geburtstag feiert, ist mit dem hessischen Musikleben eng verbunden: Der 1936 in Wiesbaden geborene Komponist und Dirigent war 1988 bis 2000 Professor für Komposition an der Frankfurter Musikhochschule. Er wurde 1997 mit dem Frankfurter Musikpreis und mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet sowie 2002 mit dem Hessischen Kulturpreis. Mit dem Ensemble Modern verbindet ihn von Beginn an eine freundschaftliche Zusammenarbeit. Es war Hans Zender, der im Jahr 1980 maßgebliche Impulse zur Gründung des Ensemble Modern gab und 1993 die Gesprächskonzert-Reihe ›Happy New Ears‹ in Kooperation mit der Oper Frankfurt initiierte. Ihm ist auch das ›Happy New Ears‹-Konzert des Ensemble Modern am 12. Dezember in der Oper Frankfurt gewidmet.