Bohrmann_Luft_05_h150 	Karl Bohrmann Landschaft (Hochhaus, Fallschirm), 1993 Collage, Ölkreide auf Rückseite von alter Ölkreidezeichnung und grauem Karton, 22,6 × 32,5 cm  © Nachlass Karl Bohrmann, Courtesy Galerie Fred Jahn München Aus: Karl Bo

Bohrmann_Luft_05_h150 Karl Bohrmann Landschaft (Hochhaus, Fallschirm), 1993 Collage, Ölkreide auf Rückseite von alter Ölkreidezeichnung und grauem Karton, 22,6 × 32,5 cm © Nachlass Karl Bohrmann, Courtesy Galerie Fred Jahn München Aus: Karl Bohrmann - In der Luft, Sieveking Verlag 2016

Sensibler Zeichner war auch Komponist

Karl Bohrmann, dessen konzentrierte und hoch ästhetische Zeichnungen ihm in der Kunstszene zu hoher Wertschätzung verholfen haben, hat auch komponiert. Wie? Das lässt sich anlässlich der Finissage einer Ausstellung in München erfahren.

Karl Bohrmann (1928-1998) war einer der bedeutendsten und produktivsten Zeichner seiner Generation, mit minimalen Mitteln erreichte er ein Höchstmaß an Ausdruck. Die jetzt in München zu sehende Auswahl von Zeichnungen und Collagen ist bisher noch niemals öffentlich gezeigt worden. Sie wurde von der Familie des Künstlers als geschlossener Werkblock aus dessen Nachlass zusammengestellt.

Alle Blätter umkreisen in mannigfachen Varianten den Raum als irreale Größe, eine Vorstellung von unfassbarer Räumlichkeit in ihrer kaum auslotbaren Spannung zwischen Horizont und Himmel. Seit den Siebzigerjahren nahm Bohrmanns Interesse am additiven Verfahren der Collage zu, was sein latent vorhandenes Verlangen, die bildenden Kräfte des Materials zu erkunden, in aller Subtilität zur Blüte brachte.

Der Gefühls­- und Bewegungsraum der jetzt gezeigten Aphorismen auf Papier ist von großer poetischer Dichte. Figuren, Landschaftsformen und unterschiedlichste Gegenstände oszillieren in einer zuweilen lakonischen Zeichenhaftigkeit. Flugzeuge stürzen neben Hochhäusern brennend herab und suggerieren Dramatisch­-Bedrohliches. Andernfalls werden Flugobjekte, Drachen, Fallschirme und Ballons gleichsam zum Schweben gebracht, als schwerelos­flüchtige Erscheinungen eines Kosmos, welcher Erinnerung, Leben und Tod in eins fasst.

Karl Bohrmann ist als bildender Künstler bekannt. Weniger bekannt ist, dass Karl Bohrmann in seiner Münchner Zeit im Gespräch mit dem Komponisten Helmut Lachenmann stand und eigene Kompositionen geschrieben hat. Einige davon werden in der Akademie aufgeführt – damit schließt die Karl Bohrmann-Ausstellung.

Konzert zur Finissage der Ausstellung »Karl Bohrmann: In der Luft« Am Mittwoch, den 18. Januar 2017 um 19.00 Uhr in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (Max-Joseph-Platz 3, 80539 München). Einlass ab 18.00 Uhr.