Streichoktett der Deutschen Stiftung Musikleben. Foto: DSM/Anne Hornemann

Streichoktett der Deutschen Stiftung Musikleben. Foto: DSM/Anne Hornemann

So klingt die Zukunft

Vor 55 Jahren, als es für finanziell schlechter gestellte junge Leute noch sehr schwer war, ein Instrumentalstudium zu absolvieren, gründeten Hamburger Geschäftsleute die Stiftung Deutsches Musikleben.

Vor 55 Jahren wurde die Deutsche Stiftung Musikleben von musikbegeisterten Privatleuten in Hamburg gegründet. Seither fördert sie deutschlandweit den hochbegabten Nachwuchs in der klassischen Musik mit einem umfassenden Programm – ohne staatliche Zuschüsse, einzig durch die Zuwendungen ihrer Freunde und Förderer aus ganz Deutschland, vor allem aus Hamburg, darunter fördernde Stiftungen, Unternehmen und zahlreiche musikliebende Privatpersonen.

Die Stipendiaten und Alumni der Stiftung zählen zur neuen Solistengeneration. Mit Preisen und Stipendien, hervorragenden Streichinstrumenten aus dem Deutschen Musikinstrumentenfonds, Auftritten bei Konzerten der Stiftung und renommierter Kooperationspartner langfristig und individuell gefördert, zeigen sie als junge Virtuosen: So klingt Spitzenförderung „made in" Hamburg, so klingt die Zukunft!  

„Jedes Jahr aufs Neue die notwendigen Mittel für unser umfassendes Förderprogramm einzuwerben, ist in der heutigen Zeit nicht leicht. Umso mehr begeistert es mich, wie viele unserer Hoffnungsträger es auf die großen Bühnen schaffen – wie in der Eröffnungssaison der Elbphilharmonie in Hamburg zu erleben", resümiert Irene Schulte-Hillen, seit 25 Jahren Präsidentin der Deutschen Stiftung Musikleben. Darunter die Geiger Isabelle Faust und Augustin Hadelich, die Cellisten Nicolas Altstaedt und Julian Steckel, die Pianisten Alice Sara Ott und Igor Levit oder der Organist Christian Schmitt.

Gerade in Hamburg hat bürgerschaftliches Engagement für Kunst und Kultur, insbesondere für die Musik, eine lange Tradition. Und so kam es, dass vor 55 Jahren zwei Hamburger Bürger, der Musikverleger Hans Sikorski und der Bankier Wolfgang Essen, gemeinsam mit Persönlichkeiten aus dem ganzen Land, die Deutsche Stiftung Musikleben als private Initiative gründeten – aus Sorge um den musikalischen Nachwuchs. Denn düster sah es in der Nachkriegszeit aus für junge Leute, die den Wunsch hatten, eine professionelle Karriere in der Musik einzuschlagen. Zu teuer die Ausbildung, zu stark die internationale Konkurrenz, zu schlecht die Aussichten, von ihrer Kunst leben zu können.  

In den Jahren nach ihrer Gründung förderte die Deutsche Stiftung Musikleben vor allem den Wettbewerb „Jugend musiziert" und das Bundesjugendorchester, beides erfolgreiche Projekte des Deutschen Musikrats. Vor 25 Jahren dann startete die Stiftung von ihrer Geschäftsstelle am Hafenrand aus ein eigenes bundesweites Förderprogramm für den Spitzennachwuchs in der klassischen Musik. So konnte der Deutsche Musikinstrumentenfonds aufgebaut werden, ein gemeinsames Projekt mit der Bundesregierung und die bundesweit größte Sammlung hervorragender Streichinstrumente, die begabte junge Geiger, Bratscher, Cellisten und Kontrabassisten ausstattet und heute mehr als 200 Instrumente umfasst, die aus Stiftungs- und Bundesbesitz stammen, zu mehr als der Hälfte jedoch Treugaben aus Privatbesitz sind – Familienstücke, die, zu neuem Leben erweckt, einem jungen Menschen eine Karriere ermöglichen.

Mit der Konzertreihe „Foyer Junger Künstler" bietet die Stiftung seit 25 Jahren schon den jüngsten Stipendiaten die Möglichkeit wichtige Auftrittserfahrungen zu sammeln. Kooperationen mit renommierten Festivals und Konzertveranstaltern im ganzen Land geben jungen Virtuosen eine Bühne vor großem Publikum. Stipendien ermöglichen Studienaufenthalte, Meisterkursbesuche und Wettbewerbsteilnahmen im Ausland und besonders engagierte Freunde übernehmen gar eine Patenschaft und fördern einen jungen Musiker ganz individuell, damit sich die „Rising Stars" voll und ganz auf ihre musikalische Entwicklung konzentrieren können.

Die Deutsche Stiftung Musikleben feiert ihren 55. Geburtstag – fast auf den Tag genau – am Montag, dem 23. Oktober 2017 um 20 Uhr mit einem Konzert im Großen Saal der Elbphilharmonie, gestaltet von Stipendiaten und „Rising Stars". Das Konzert ist wie alle anderen in dem neuen Gebäude ebenfalls ausverkauft.