Transorient Orchestra. Foto: Lutz Voigtländer

Transorient Orchestra. Foto: Lutz Voigtländer

So kommt der Jazz unters Volk

„Hömma – Jazzfestival Oberhausen“, ein Beitrag zur pulsierenden Jazzszene im Ruhrpott, geht in die nächste Runde.

 

 

 Organisiert wird „Hömma“ (hochdeutsch: Hör mal) vom Duo Peter Baumgärtner und Uwe Muth, das seit mehr als 20 Jahren auch für die Hildener Jazztage und für „Voices – Das Festival der Stimmen“ in Ratingen verantwortlich ist. Als Kooperationspartner fungiert die Stadt Oberhausen. 

„Jazz kennt keine Scheuklappen, ist authentisch und uneitel“, betont Peter Baumgärtner, selbst leidenschaftlicher Schlagzeuger, und Uwe Muth, Oberhausener aus Überzeugung, ergänzt:  „Aus diesem Grund findet das Festival im Pott statt – es passt einfach zu den Menschen, die hier leben.“

„Hömma“ – das ist Musik zum Anfassen. Regionale, nationale und internationale Künstler, junge Talente und etablierte Musiker spielen im Theater, in  der Kneipe, in der Kirche oder auf der Straße. Vier Tage lang heißt es zuhören, Spaß haben, sich begegnen. Der folgende Programmüberblick zeigt, worauf Musikfans sich freuen dürfen:

 

Donnerstag, 14. September 2017

Mit reichlich Groove startet das Festival um 20 Uhr im Ebertbad, einer ehemaligen Badeanstalt, an der Ebertstraße 4.

TAB 4, das Quartett um den Schlagzeuger und Jazz-Professor Thomas Alkier, präsentiert ein Programm aus Eigenkompositionen und groove-orientierten Klassikern von Stars wie Herbie Hancock, Jaco Pastorius und Wayne Shorter. Der „Jazz-Prof“ der Folkwang Universität der Künste in Essen ist Mitglied der bekannten Formation „Nighthawks“ und stand schon mit Musiklegenden wie Dizzy Gillespie, Eartha Kitt, Betty Carter, Gary Burton oder Nigel Kennedy auf der Bühne. Er und sein „Dream Team“ –  Rolf Zielke am Piano, Olaf Casimir am Kontrabass und Kai Brückner an der Gitarre – begeistern mit Können und Spielfreude. Ein Highlight für jeden Musikfan!

Eine Stimme, ein Bass – seit 12 Jahren entkleiden Sängerin Katharina Debus und Bassist Hanns Höhn Songs aus dem unendlichen Universum von Jazz, Soul und Pop, um das Wesentliche frei zu legen. “Wenn Katharina Debus geradezu in den Ton kriecht, das hineinlegt, was gemeinhin als Heart and Soul beschrieben wird, in ihren vokalen Phrasierungen eine ganze Welt von Möglichkeiten eröffnet, dann ist das große Kunst. Wenn dazu Hanns Höhn auf seinem Viersaiter vom Tieftönerhimmel in lichte Gefilde, perkussive Sphären und zurück jagt, um dem Instrument kurz darauf mit melodisch fein gesponnenen Grooves eine Stimme zu verleihen, gibt es nichts, was auch nur ansatzweise eine vollwertige Band vermissen ließe. Mehr Präsenz, Selbstbewusstsein, Können und Chuzpe geht nicht.”, schrieben die „Badische Neueste Nachrichten“ über „Frau Contra Bass“. Um 21.30 Uhr stellt das Duo sein aktuelles Album „Comes Love“ vor. „Es geht einfach um die Liebe. Wieder mal. Immer wieder kommen wir darauf zurück.“, betont Katharina Debus. Mit ihrer narrativen Stimme verleiht die Ausnahmevokalistin den weltberühmten Standards aus dem „Great American Songbook“ eine Authentizität, die den Atem zum Stocken bringt.

 

Freitag, 15. September 2017 umsonst und draußen

„Der Orient beginnt im Ruhrgebiet“ – das Transorient Orchestra lässt den Soundtrack des Ruhrgebiets erklingen. Im aktuellen Programm des „Transorient Orchestra“ verschmelzen um 18.30 Uhr beim Open-Air-Konzert auf dem Altmarkt Melodien und Rhythmen des Orients mit westlicher Harmonik und jazziger Improvisation zu einem faszinierenden Klangerlebnis. In der bekanntesten Weltmusik-Bigband des Ruhrgebiets treffen sich einige der kreativsten und erfahrensten Musiker des kulturellen Schmelztiegels. Zwölf Solisten, die ihre Wurzeln in Deutschland, der Türkei, dem Iran, Tunesien und Syrien haben, kombinieren Santur, Oud, Ney und Darbuka mit Bigband-Bläsersätzen, Gitarre, Bass, Violine und Schlagzeug, ergänzt durch arabischen und türkischen Gesang. Orient meets Okzident in Oberhausen!  

Ab 21.30 Uhr steht Neo-Soul auf dem Programm: Sänger Max Peters packt das Publikum mit einer vielfältig nuancierten Baritonstimme und seinem Gefühl für den Groove, mit dem seine Band ihn mal breitbeinig durch klackernde, stolprige Hip-Hop-Beats führt oder ihm auch mal leise und zurückhaltend zu subtilen Tönen folgt. Sie verstehen dabei ihre Eigenkompositionen mit zeitgenössischen Songs und modern interpretierten Jazzstandards so zu verbinden, dass man in einem Moment den Kopf nickt und mit den Zehen zappelt und im nächsten die Augen schließt und lauscht.

 

Samstag, 16. September 2017

Mit gleich drei Konzerten an unterschiedlichen Locations geht´s ins Wochenende: In der Christuskirche an der Nohlstraße 5 in Oberhausen laden Gitarrist Thomas Hanz und Jörg Siebenhaar an Kirchenorgel und Akkordeon das Publikum zu einem Trip in neue Klangwelten ein. Der perkussive Gitarrensound vereint sich mit dem majestätischen, raumfüllenden Klang der Orgel zu einem ganz besonderen akustischen Erlebnis. Im Zentrum dieses Konzepts stehen zwei moderne Kompositionen aus Estland. Bei Werken, wie  „Meditation" von Jules Massenet wird die solistische Gitarre von der Orgel orchestral begleitet, bei anderen ist die Gitarre Basis für Orgelimprovisation. Jörg Siebenhaar und Thomas Hanz erweitern ihr Programm auch mit eigenen Kompositionen, die den Raum mit einbeziehen. Dabei tauscht Jörg Siebenhaar die Orgel mit dem Akkordeon, beide Musiker umkreisen das Publikum, entfernen sich voneinander – ein Konzertabend mit Gänsehautgarantie.

Jazz-Guitar meets Hammond B3: Im weit über die Stadtgrenze hinaus beliebten Theatercafé und Restaurant „Falstaff“ an der Ebertstraße 70 sorgt das „Jan Bierther Organ Quartet“ ab 20 Uhr für echten Saturday Night Groove. „Der umtriebige Musiker Jan Bierther ist ein Juwel der NRW-Jazzszene, ein hervorragender Gitarrist und aus der Szene nicht mehr wegzudenken. Mit seinen vielen Projekten bietet er nicht nur renommierten Musikern eine Bühne, auch Nachwuchsmusiker haben immer eine Plattform, um sich profilieren zu können.“, schrieb das Portal „VirginJazzFace“. Das Publikum erwartet ein mitreißender musikalischen Dialog zwischen Orgel und Jazzgitarre in intimer Atmosphäre. Jan Bierther trifft auf den britischen Organisten und Keyboarder Noel Stevens, der schon als Musiker und Musical Director bei berühmten Musicals wie „West Side Story“, „Hair“, „Elvis“ und „Jesus Christ Superstar“ mitwirkte. Das rhythmische Fundament liefern Eric Richards am Bass und Drummer Sebastian Bauer

Was wäre die Jazzszene in Oberhausen ohne das „Jazz-Karussell“? Um 21.30 Uhr dreht es sich im polnischen Restaurant und Kulturcafé „Gdanska“ am Altmarkt 3: Die beiden Macher dieser renommierten Oberhausener Veranstaltungsreihe Eva Kurowski, Sängerin, Autorin und Multitalent, und Dirk Balthus stehen gemeinsam mit Peter Baumgärtner, dem künstlerischen Leiter von „Hömma“, auf der Bühne. Jugendliche Verstärkung erhalten die drei erfahrenen Meister ihres Fachs von der beeindruckend talentierten Bassistin Caris Hermes, mehrfache Preisträgerin des Landeswettbewerbs „Jugend jazzt“, und dem großartigen Joell Wilson am Saxofon. Serviert werden swingende Jazz-Standards, abgeschmeckt und liebevoll angerichtet mit einem Schuss Latin. Wir wünschen: Smacznego! (polnisch für „Guten Appetit“). 

 

Sonntag, 17. September 2017

Die Festival-Premiere hat ihren krönenden Abschluss auf der traditionsreichen Bühne des Theaters Oberhausen am Will-Quadflieg-Platz: Der langjährige Folkwang-Dozent und Saxofonist Matthias Nadolny, Gitarrist Andreas Wahl und Schlagzeuger Jo Beyer treffen sich dort um 19.30 Uhr zum lustvollen Improvisieren – ruppig-elegant, ironisch-melancholisch, arktisch-karibisch, in rauschhafter Einsamkeit und lyrischem Chaos, geschmeidigem Durch- und rauem Miteinander. Nadolny ist wegen seines wandlungsfähigen, stets identifizierbaren individuellen Tons und seiner melodischen Fantasie zu einer festen Größe in der deutschen Jazz-Szene geworden. Andreas Wahl erregte viel Aufmerksamkeit mit seiner Formation, die eine mutige Synthese aus Jazz, Folk, Neuer Musik und Heavy Metal wagte. Und über den Stil von Jo Beyer, der bereits zahlreiche Nachwuchspreise gewonnen und sich mit  CD-, Rundfunk- und Fernsehproduktionen sowie Konzerten und Tourneen unter anderem  in Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Belgien, Frankreich, Dänemark, Russland, Malaysia und Tschechien einen Namen gemacht hat, schrieb die Passauer Neue Presse: „…ein schweißtreibender Sinnenrausch und ein exzessives Spiel mit der musikalischen Urgewalt." Auf dieses Trio darf man gespannt sein.

„Wow girl – you can sing the blues.“ So begeistert lobte Jazz-Ikone Dizzy Gillespie die „größte Jazzlady des Ruhrgebiets“: Silvia Droste. Sie gestaltet ab 21.30 Uhr gemeinsam mit dem JugendJazzOrchester NRW (JJO NRW) das „grande finale“ des Festivals. Bill Ramsey erklärte Silvia Droste zur „besten Jazzsängerin, der ich in den letzten 35 Jahren begegnet bin...“ Von der Presse zur „First Lady des deutschen Jazzgesangs“ gekürt, ist sie ausgestattet mit dem „gewissen Etwas in der Stimme, das kühl wie ein Eiswürfel wirkt und doch so heiß den Rücken herab rinnt: Silvia Droste beherrscht die hohe Kunst, Technik und Lebendigkeit, Kontrolle und Ausdruckskraft, Punktgenauigkeit und Swing zusammenzuhalten. Bei aller Beherrschtheit geht ihre grandios eigenständige und kraftvolle Stimme tief unter die Haut...“ (Dr. Tobias Böcker, NR).

Das JJO NRW besteht seit 1975. Nordrhein-Westfalen war das erste Bundesland, das mit Unterstützung seines damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau ein Landesjugendjazzorchester einrichtete und förderte. Viele ehemalige Mitglieder dieses Landesensembles spielen heute in etablierten Orchestern, darunter die Big Bands des Westdeutschen und des Norddeutschen Rundfunks. Einen Namen hat sich das Orchester u.a. durch ausgefallene und innovative Projekte gemacht. Dazu gehört insbesondere die Zusammenarbeit mit klassischen Orchestern. Als Repräsentant des Landes NRW gibt das JJO NRW Konzerte auf der ganzen Welt. Bisherige Reisen führten u.a. in die ehemalige Sowjetunion, in die Türkei, nach Afrika, Nord- u. Südamerika, in die Karibik, nach Australien, Neuseeland und Indien. Im Mai 1996 begeisterte die Band vor ausverkauften Häusern das Publikum in China;  das JJO NRW ist das erste deutsche Jugendorchester überhaupt, das im ‘Reich der aufgehenden Sonne’ tourte. 1998 und 2009 fanden erneut Konzertreisen nach China statt. Im Frühjahr 2000 feierte das Orchester sein 25-jähriges Jubiläum zusammen mit bekannten Größen der deutschen Jazzgeschichte.