Verdi-Gala mit Sonya Yoncheva in Dortmund. Foto: Petra Coddington

Verdi-Gala mit Sonya Yoncheva in Dortmund. Foto: Petra Coddington

Sonya Yoncheva in Dortmund

Die Bulgarin Sonya Yoncheva, von manchen zur Gegenspielerin der Netrebko aufgebauscht, stellte in Dortmund unter Beweis, was sie kann - und was sie nicht kann. Nachhören kann man das auch auf ihrer neuen CD.

Die kalte Atmosphäre und die viel zu hallreiche Akustik des Konzerthauses Dortmund einmal außer Acht gelassen - die Verdi-Gala von Sonya Yoncheva enttäuschte, bzw. sie bestätigte die Befürchtungen, die man beim Abhören ihrer neuen Verdi-Platte haben musste (Rezension im FONO FORUM 3/2018).

Natürlich hat die Bulgarin einen sensationellen Stimmklang, voll, sinnlich aber auch charaktervoll und mit einem Callas-Touch. Doch noch nicht Ende 30, beginnt die Pracht zu bröckeln. Oberhalb des Passaggios gelingt ihr keine Dynamik unterhalb eines Forte. In der Übergangslage selber zeigen sich Brüche, die das Legato unterbrechen, da kommen Töne offenbar nur unter Druck, der den Atemstrom unterbricht - Alarmstufe Rot!

Die Auswahl des Repertoires - sowohl im Konzert, als auch auf der CD, unterstützt den Überdruck leider. Die Elisabeth aus Don Carlos kann die Yoncheva zwar ebenso singen wie die Leonora aus der Macht Schicksals. Doch wo echte Spinto-Soprane besondere Momente durch eine delikate, dynamisch abgestufte Interpretation schaffen, gibt es bei Yoncheva nur eine Richtung: je höher, desto lauter. Dieses Singen am Rande der Kontrollierbarkeit ist zwar einerseits emotional mitreißend - in Dortmund gab es schon in der Pause Standing Ovations. Doch es ist eben auch ein Offenbarungseid fehlenden technischen Könnens. Schade, denn mit Arien aus Luisa Miller und Attila bot die Yoncheva auch Stücke jenseits der Bestseller.

Zudem befremdete eine insgesamt doch eher sparsam bemessene Singzeit, deren Unterbrechungen die vom früheren Pappano-Assistenten Francesco Ivan Ciampa zu Höchstleistung animierte Nordwestdeutsche Philharmonie ebenso überbrückte wie der kleine Bruder der Yoncheva, seines Zeichens lyrischer Tenor Jahrgang 1988 mit ersten kleinen solistischen Engagements. Doch trotz seines weichen lyrischen Stimmklangs und symapthischen Auftretens tut sich das Geschwisterpaar mit dieser Kooperation über die sozialen Gräben des Operngeschäftes hinweg keinen Gefallen. So blieb an diesem Abend manche Frage offen, die einzig die Zukunft beantworten kann.