Till Brönner, Nils Petter Molvaer, Eivind Aarset und Jan Bang bei der Premiere von Talking Jazz. Foto: Reiner H. Nitschke

Till Brönner, Nils Petter Molvaer, Eivind Aarset und Jan Bang bei der Premiere von Talking Jazz. Foto: Reiner H. Nitschke

Space-Trip im Kammermusiksaal

Die neue Reihe „Talking Jazz“, die von Star-Trompeter Till Brönner kuratiert wird, hatte Premiere im Pierre Boulez Saal der Berliner Barenboim-Said-Akademie.

Die Eröffnung des vom Star-Architekten Frank O. Gehry gestalteten Pierre Boulez Saal ist erst wenige Monate her, doch schon jetzt ist er aus der Berliner Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken. Getreu dem Anspruch, der Ort schlechthin für das „Denkende Ohr“ zu sein, überrascht das Programm seit der Eröffnungswoche mit vielfältigen Darbietungen. Dabei sollen die Besucher des knapp 700 Personen fassenden Kammermusik-Saals der Berliner Barenboim-Said-Akademie unmittelbar am offenen Prozess des Zuhörens und des Austauschs teilhaben.

In diesem Sinne ist auch das Format „Talking Jazz“ zu verstehen, das von Till Brönner kuratiert wird. Für den ersten Abend der neuen Veranstaltungsreihe hatte Brönner den norwegischen Trompeter Nils Petter Molvaer zusammen mit dem Gitarristen Eivind Aarset und dem Remixe- und Sampling-Mixer Jan Bang eingeladen. Nachdem das Trio das Publikum auf einen 40-minütigen Space-Trip geschickt hatte, setzte sich Gastgeber Brönner zum kurzen Talk mit Molvaer, um anschließend im Duett mit dem Instrumental-Kollegen für den ersten Höhepunkt des Abends zu sorgen.

Der zweite erfolgte nach der Pause, als einige wenige Zuhörer unter Missachtung jeglicher Toleranz das Gespräch mit lauten „Musik“-Rufen störten, die beiden Musiker leicht konsterniert den Talk abbrachen und zu ihren Hörnern griffen. Jazzer sind es durchaus gewohnt, negative Energie in einen kreativen Prozess zu überführen. Entsprechend packend war das Zwiegespräch der beiden Bläser, unterstützt vom Soundteppich Aarsets und Bangs.

Molvaer hatte im Gespräch geäußert, er sehe sich nicht als Jazzmusiker, weil er diesen Begriff als einengend verstehe. Auch wenn sein Name nicht erwähnt wurde, so evozierten zumindest die von ihm und Brönner artikulierten Sounds Erinnerungen an den wohl bedeutendsten Fixstern ihrer Zunft: Miles Davis. Denn dieser nahm im letzten Jahr vor seiner krankheitsbedingten Auszeit mit seinen Alben „Pangea“ und „Agharta“ all dies vorweg, was wir heute als modernen „Nicht-Jazz“ hören dürfen – auch an diesem gelungenen Abend im Pierre Boulez Saal. Der Namenspatron hätte jedenfalls seinen Spaß gehabt, wie Till Brönner richtig anmerkte.

„Talking Jazz“ wird am 25. Januar 2018 fortgesetzt. Gast ist die Sängerin und Pianistin Anna Depenbusch. Reiner H. Nitschke

www.boulezsaal.de