Werbefoto des Theaters Erfurt für Agnes von Hohenstaufen. Foto: Lutz Edelhoff/Theater Erfurt

Werbefoto des Theaters Erfurt für Agnes von Hohenstaufen. Foto: Lutz Edelhoff/Theater Erfurt

Spontini, ein Berliner Opernkomponist

Das Theater Erfurt verkündet mit Stolz, Spontinis Oper Agnes von Hohenstaufen nach fast 180 Jahren wieder in deutscher Originalsprache aufzuführen.

Zur deutschen Wiederaufführung der Oper Agnes von Hohenstaufen in deutscher Sprache nach 180 Jahren erklingt auch die verschollen geglaubte Ouvertüre, die in keiner Notenausgabe oder Aufnahme enthalten ist und von der eine Abschrift erst vor wenigen Wochen ausfindig gemacht werden konnte, heißt es aus Erfurt.

Die Oper des führenden französischen Opernkomponisten seiner Zeit, Gaspare Spontini, entstand 1827 für die Berliner Hofoper und erzählt in großen historischen Bildern vom Machtkampf zwischen den Adelshäusern der Staufer und der Welfen um 1200. Zugleich ist die in deutscher Sprache komponierte Oper aber auch die Geschichte einer „verbotenen“ Liebe, die – ganz wie in Romeo und Julia – die Versöhnung zweier verfeindeter Familien bewirkt.

Die dem Stoff innewohnende Mahnung zu Eintracht und Versöhnung passte gut in den Zeitgeist der Epoche nach den napoleonischen Kriegen und den Bestrebungen nach einer neuen staatlichen Einheit – unter preußischer Führung. Zugleich eignete sich der Stoff aber auch hervorragend als Hochzeitsoper, denn der äußere Anlass für die Komposition war zunächst 1827 die Hochzeit des preußischen Prinzen Carl mit Prinzessin Marie von Sachsen-Weimar-Eisenach.

Ihre letztgültige Gestalt bekam Agnes von Hohenstaufen in ihrer dritten Fassung, die von 1837 bis 1840 auf dem Spielplan der Berliner Hofoper stand. Erst 1954 wurde die Oper in Italien als Agnese di Hohenstaufen wiederentdeckt und beim Maggio Musicale in Florenz in einer italienischen Neuübersetzung aufgeführt. Es folgten mehrere Produktionen (auch für Tonträger) dieser Adaption, u.a. geleitet von Riccardo Muti, der das Werk besonders schätzt. Mutis Bemühungen um eine Wiederaufführung der Agnes von Hohenstaufen in ihrer Originalgestalt blieben jedoch bislang ergebnislos.

Das Theater Erfurt hat sich nun der Aufgabe angenommen, die längst überfällige Neuentdeckung dieser spektakulären deutschen Oper europäischen Formats zu ermöglichen. Im Rahmen der Premiere findet im Theater Erfurt auch ein wissenschaftliches Symposium zum Thema „Gaspare Spontini und die Oper in Berlin – Distanz und Nähe“ statt. Am 1. und 2. Juni werden prominente Opernforscher wie Anno Mungen (Bayreuth), Klaus Pietschmann (Mainz), Matthias Brzoska (Essen) und Arnold Jacobshagen (Köln) über das Werk Spontinis sprechen.

Regisseur Marc Adam, Ausstatterin Monika Gora und die musikalische Leiterin, Zoi Tsokanou haben sich für ein Konzept entschieden, das mit dem Blick aus den Schützengräben des 1. Weltkrieges heraus zurück auf die Entstehungszeit der Oper beginnt. Passend zum Spielzeitmotto „Auf gut Deutsch?“ werden die Entstehung und die Folgen eines übersteigerten Nationalismus in den Blick genommen. Rheinromantik und Mittelalterbegeisterung prägten diese Zeit, wobei die als „große historische Oper“ konzipierte Agnes von Hohenstaufen nicht unerheblich zur Etablierung eines romantischen Mittelalterbildes beitrug, das bis heute präsent geblieben ist.

Nationalistische Engstirnigkeit war es dann auch, die dazu führte, dass Spontini sein Berliner Engagement vorzeitig beenden musste und damit auch seine letzte große Oper, die er selbst für seine reifste und beste hielt, für so lange Zeit vom Spielplan verschwand. Deutschlandradio Kultur wird eine der Aufführungen (6.6.) live aufzeichnen und nach bisherigem Stand am 12. Juni in seiner samstäglichen Opernsendung ausstrahlen. Im MDR-Opernmagazin am 2. Juni werden bereits Ausschnitte zu hören sein.