Ricardo Simian. Bild: Ricardo Simian

Ricardo Simian. Bild: Ricardo Simian

Spülmaschinenfester Renaissanceklang

Der Basler Musiker Ricardo Simian lässt historische Instrumente auf dem 3D-Drucker neu erstehen und gewinnt einen bedeutenden Technologiepreis.

Unter den 34 Finalisten aus aller Welt waren auf der Weltleitmesse für Additive Manufacturing Formnext in Frankfurt neben Designern, Start-ups und Universtäten auch Kliniken und renommierte Industrieunternehmen vertreten. Eine scheinbar paradoxe Idee setzt sich durch: Bei Ricardo Simian treffen über 500-jährige Instrumente auf neuste Technologie.

Der in Basel lebende Zinkspieler Ricardo Simian sieht sich trotz seiner inzwischen beachtlichen Nachfrage in erster Linie als Forscher. "Wir können alte Instrumente aus den Museen virtuell nachbauen, dann real ausdrucken und dabei besser untersuchen, warum z.B. ein Zink so klingt, wie er klingt, ohne an den kostbaren und empfindlichen Originalen experimentieren zu müssen."

In einem österreichischen Museum fand der Basler Musiker einen Katalog mit genauen Vermessungen der Originalinstrumente. Inzwischen lässt er sie in Kliniken im Computertomographen einscannen und erhält so eine originalgetreue Vorlage für den Druck. Anschliessendwird das Instrument mit Hochpräzisionsmaschinen Schicht für Schicht aufgebaut bzw. 3D-gedruckt.

"Schon mein erster Prototyp hat viel besser geklungen, als zu erwarten war", sagt Simian. Diese Instrumente waren zunächst nur aus Nylon und Acryl. Inzwischen hat sich die Materialpalette erweitert mit Legierungen aus Ton und Porzellan sowie unterschiedlichen Polymeren, da sich auch die 3D-Drucker rasant weiter entwickeln und damit auch die Instrumente von Ricardo Simian.

Die eigentliche Sensation ist und bleibt für den Musiker, dass sich die alten, handgemachten und die gedruckten Instrumente in punkto Klang kaum voneinander unterscheiden ließen, wie er sagt. In einem Punkt ist der Unterschied aber nicht wegzureden: Die 3D-Zinken sind gegenüber den alten Instrumenten spülmaschinenfest.

Das Streben nach den Klängen alter Musik, besonders des Zinkes brachten Ricardo Simian weg von seiner Geburtsstadt Santiago, nach Mailand und schließlich nach Basel, wo er ein Diplom in Alte Musik und Blockflöte (an der „Civica Scuoladi Musica di Milano“) und einen Master in Zink (an der „Schola Cantorum Basiliensis“) erreichte.

Er konzertiert, unterrichtet, recherchiert und erweitert seine Klangmöglichkeiten, indem er die kürzlich erst entdeckten alten Instrumente Tenorzink, Cornettino und die Zugtrompete erlernt und weiterentwickelt, wie jeder Musiker der Zeit, aus welcher die Instrumente kommen, es getan hätte. Solche Nachforschungen über die Musiklandschaft im Frühbarock, der Renaissance und dem späten Mittelalter führten zur Gründung der Ensembles „Mandragora", „Gruppo Seicento“ und „Concerto dei Fiati“, von welchen Ricardo Gründungsmitglied ist. 2013 gegründete Ricardo „3D Music Instruments“ mit dem Ziel, Originalinstrumente auf moderne und praktische Art reproduzieren zu können. Diese Idee hat sich schnell entwickelt zu einer Startup-Firma, die Forschung macht, die Grenzen der 3D-Druck-Technologien im Bereich Musik testet, neue Instrumente entwickelt und auch Instrumente weltweit verkauft. 2019 wird beim renommierten Internationalen Musikfestival Alpentöne erstmals ein Ensemble auftreten, das auschliesslich auf historischen Instrumenten aus dem 3D-Drucker spielt.