Das Titelmotiv des Gezeiten-Festivals von Karlheinz Krämer, das Raphael Paratore, Philipp Wollheim und Verena Metzger im Watt vor Dangast zeigt.

Das Titelmotiv des Gezeiten-Festivals von Karlheinz Krämer, das Raphael Paratore, Philipp Wollheim und Verena Metzger im Watt vor Dangast zeigt.

Sturm und Klang in Ostfriesland

Zum sechsten Mal finden im kommenden Sommer die Gezeitenkonzerte statt. Das ostfriesische Musikfestival bietet neben musikalischer Vielfalt den Reiz der herben Landschaft als Erholungsfaktor.

Unter dem Motto „Sturm und Klang“ gehen die Gezeitenkonzerte der Ostfriesischen Landschaft 2017 in ihre sechste Saison. Für diesen Sommer hat der künstlerische Leiter, Prof. Matthias Kirschnereit, wieder ein umfangreiches Programm zusammengestellt, das die Besucher vom 23. Juni bis zum 13. August an ungewöhnliche Konzertorte einlädt.

Das Auftaktkonzert findet vor der Kulisse der Johannes a Lasco Bibliothek in Emden statt. Hier bringen am 23. Juni Solisten der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ergänzt um Violinistin Tanja Becker-Bender und Pianist Matthias Kirschnereit das Dvorák- sowie das Schubert-Oktett zu Gehör. Stürmisch und klangvoll geht es bei den jungen, aufstrebenden Gipfelstürmern zu, die zahlreich bei den Langen Nächten in Aurich vertreten sind, aber auch sonst immer wieder das Programm durchziehen. Mit Blick auf den Jadebusen kann den Stipendiaten des Deutschen Musikwettbewerbs, dem qunst.quintett im Alten Kurhaus in Dangast gelauscht werden. Für seine besondere Sogwirkung ist auch das 120-köpfige Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen (JPON) bekannt. Es gastiert am 13. August auf dem Polderhof Friesenpferdegestüt Brümmer in Bunderhee.

Neben aufstrebenden Talenten bereichern Weltklassekünstler die Gezeitenkonzerte. So wird beispielsweise  Grigory Sokolov im Theater an der Blinke in Leer zu erleben sein. Erstmalig bei den Gezeitenkonzerten zu hören sind die Pianistin Alice Sara Ott in Reepsholt, sowie der norwegische Pianist Leif Ove Andsnes, der zusammen mit dem Violinisten Christian Tetzlaff in Emden gastiert.

Für frischen Wind sorgt die Klarinettistin Sabine Meyer zusammen mit dem Alliage Quintett in Münkeboe, ebenso wie die Klarinettistin Nicola Jürgensen mit dem Klenke Quartett im Gut Horn Gristede und das zwölfköpfige Bläserensemble 10forBrass Open-Air in Wiesmoor.

Spanische und deutsche Klänge bringen die katalanische Sängerin Nuria Rial und Gitarrist Heiko Ossig in den hübschen Fischerort Ditzum. Ebenfalls spanisch daher kommt das Programm „Ich brenne für das Leben“ im Heimathaus Aschendorf mit Texten von Federico García Lorca, vorgetragen vom bekannten Schauspieler Stefan Kurt, musikalisch ergänzt durch Violinist Ulf Schneider und Pianist Stephan Imorde.

Erfahrungsgemäß stürmisch geht es bei den Gezeiten-Classixx zu, wenn das Noord Nederlands Orkest zusammen mit Sängerin Fay Claassen ein populäres Programm aus Werken der Klassik, garniert mit Filmmusik, auf die Bühne im Volkswagen Werk Emden bringt.

Auf einen Hauch Norwegen dürfen sich Jazz-Liebhaber freuen, wenn Ausnahme-Trompeter und Multiinstrumentalist Mathias Eick mit seinem Quintett im Emder van-Ameren-Bad seine Klangwelten freisetzt. Weltmusik zwischen östlichen und westlichen Winden weht mit dem umfangreichen Instrumentarium von Quadro Nuevo durchs Energie-, Bildungs- und Erlebniszentrum (EEZ) in Aurich.

Gleich fünf Orchesterkonzerte bereichern in diesem Jahr das Kammermusikfestival in Ostfriesland. Mit dem Auftritt der Deutschen Kammerakademie Neuss unter der Leitung von Frank Beermann zusammen mit Fagottistin Rie Koyama und Matthias Kirschnereit in Emden sei nur ein Beispiel genannt.

Das Reformationsjubiläum wird mit zwei speziellen Gezeitenkonzerten gewürdigt, mit dem Knabenchor Hannover in der Ludgerikirche Norden sowie Concerto Foscari in dem schönen Ort Neustadtgödens, in dem es gleich fünf Gotteshäuser gibt, von denen zumindest drei bespielt werden. Auch die kulturtouristischen Streifzüge greifen das Thema bei Stadtrundgängen und Kirchenführungen wieder auf.

Auch das Titelmotiv steht 2017 eindeutig unter dem Motto „Sturm und Klang“. Es zeigt die Gipfelstürmer Raphael Paratore, Philipp Wollheim und Verena Metzger, die mit ihren Instrumentenkoffern im vergangenen Jahr bei widrigen Witterungsverhältnissen dafür ins Watt vor Dangast gestiefelt sind.