Thomas Brandis. Foto: Musikhochschule Lübeck

Thomas Brandis. Foto: Musikhochschule Lübeck

Thomas Brandis ist tot

Der große Violinist, Kammermusiker und Geigenpädagoge Professor Thomas Brandis ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Von 2002 bis 2015 unterrichtete der Professor an der Musikhochschule Lübeck eine internationale Violinklasse und prägte die Ausbildung im Fach Violine entscheidend mit.

Als herausragende Musikerpersönlichkeit bildete er mehrere Generationen von Geigerinnen und Geigern aus, die inzwischen international erfolgreich sind wie unter anderem Viviane Hagner, Sophie Heinrich, Andreas Buschatz und Renaud Capuçon. Bis kurz vor seinem Tod unterrichtete er trotz seiner langjährigen Krebserkrankung mit großer Tatkraft an der MHL. Seine Studierenden haben ihn als strengen Lehrer und als herausragenden Humanisten erlebt. Wo er als Musiker, Pädagoge oder Kollege auftrat, wurde ihm große Anerkennung entgegengebracht. Die Förderung des jugendlichen Nachwuchses war ihm ein besonderes Anliegen: er gab Meisterkurse auf der ganzen Welt und war als Juror bei nationalen und internationalen Wettbewerben tätig.

1935 in Hamburg geboren, studierte Brandis Violine in Hamburg und London, wo er Schüler bei Max Rostal war. Er gewann internationale Wettbewerbe, unter anderem den ARD-Musikwettbewerb. Zunächst Konzertmeister bei den Hamburger Symphonikern, wurde er mit 26 Jahren erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. Als Solist trat er mit bedeutenden Dirigenten wie von Karajan, Böhm, Solti und Jochum auf. Neben der solistischen Karriere war ihm die Kammermusik ein großes Anliegen. Er war Mitglied der Philharmonischen Solisten Berlin, des Ensemble ,,Villa Musica" Mainz und gründete 1976 das Brandis-Quartett, das bei nahezu allen großen Festivals in Europa, Japan und Südamerika auf der Bühne stand. Zahlreiche Schallplatten- und CD-Aufnahmen bezeugen das große Repertoire, das Thomas Brandis sich erarbeitet hatte. 1983 wurde er auf eine Professur für Violine an der Universität der Künste Berlin berufen, ab 2005 hatte er eine Gastprofessor an der Royal Academy of Music in London inne. Brandis war Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg.