Cover des FONO FORUM vom April 2002: Toots Thielemans zum 80. Bild: Archiv FONO FORUM

Cover des FONO FORUM vom April 2002: Toots Thielemans zum 80. Bild: Archiv FONO FORUM

Toots Thielemans ist tot

Er nannte sich "der kleine Belgier" und gelangte zu großen Ehren: Seit dem Jahr 2002, dem Jahr seines 80. Geburtstages, durfte er sich sogar Baron nennen. Im selben Jahr widmete das FONO FORUM Toots Thielemans ein großes Porträt (4/2002) - nachzulesen im Archiv über diese Internetseite.

"Der Mann hat Pfiff" titelte das FONO FORUM im April 2002. Zu dessen 80. Geburtstag widmete die Redaktion dem sanften Weltstar ein Interview. Und schon damals galt die Feststellung des Autors: "Es ist nicht einfach, Toots Thielemans auf einen Nenner zu bringen." 14 Jahre später, an seinem Todestag, ist das nicht einfacher. Seine genial-einfache Komposition "Bluesette", eigentlich eher eine zu Ende geschriebene Improvisation, erklang heute auf manchem Kultursender. Aber wohl nur dort. Denn Toots Thielemans ist auch einer jener - man darf wohl sagen aussterbenden - Vertreter des Jazz, die das Unterhaltsame pflegten ohne dabei den Anspruch an das eigene Musizieren zu verlieren. Es war sicher oft Unterhaltungsjazz, den Thielemans bot, aber es war eben Jazz.

Bluesette aus dem Jahr 1962 ist in seiner Leichtigkeit nicht zufällig der größte Hit von Thielemans geworden. Er ist sozusagen die Weiterentwicklung des Mundharmonikaspiels, dessen Reduzierung auf das urmenschliche Pfeifen. "Er berührt unser Herz und macht uns weinen", sagte Quincy Jones über Thielemans. Und doch wird vor allem die heitere Gelassenheit seines Musizierens, das Ungekünstelte, Natürliche in Erinnerung bleiben.

Aufgewachsen mit dem Akkordeonspiel im Café seiner Eltern in Brüssel, beeindruckt von Larry Adler und Django Reinhardt entwickelte Thielemans seinen Stil. Er beginnt Mathematik zu studieren und spielt in amerikanischen Clubs in Belgien Gitarre, begegnet 1949 in Paris Charlie Parker, spielt für Benny Goodman und im swingenden George Shearing Quintett. Von ihm sagt Thielemans: "Bei ihm ist auch mein Geschmack für Harmonie vielleicht mehr in Richtung Debussy gegangen; eben die ganze Praxis mit der Moll-Septe."

Und darin sah er auch die Verbindung zur brasilianischen Musik, die er immer wieder einging. Und sein musikalisches Weltbürgertum erstreckte sich auch auf andere Stile: "Ich bin ein amerikanisierter Brüsseler und ich habe eine sehr große Sympathie für die afro-amerikanische Musik ... das ist tiefe Emotion."

Im Interview vom April 2002 spricht Thielemans auch über die Bedeutung der Melodie für seine Musik. "Etwas in eine Melodie geben zu geben, was wirklich existiert" - so definierte Toots Thielemans das Musikmachen. Am 22. August 2016 ist er in Belgien gestorben.

Zum Interview mit Toots Thielemans in FONO FORUM vom April 2002 geht es über diesen Link:

https://www.fonoforum.de/archiv/archiv/artikel/2002/4/der-mann-hat-pfiff/