Astrig Siranossian. Foto: Bernard Martinez

Astrig Siranossian. Foto: Bernard Martinez

Unterstützung junger Künstler

Claves, das Schweizer Label für klassische und zeitgenössische Musik sowie für Jazz, feiert im April das erste halbe Jahrhundert seiner Existenz. Und es setzt weiter auf junge Künstler, wie Cellistin Astrig Siranossian.

Das Label Claves hat einige Künstler entdeckt und auf ihrem Weg begleitet, darunter u. a. das Duo Crommelynck, die Flötisten Peter Lukas Graf und Maurice Steger, den Dirigenten Marcello Viotti, den Pianisten und Dirigenten Jörg Ewald Dähler und viele andere. Ausserdem arbeitete Claves mit renommierten Künstlern wie den Sängern Dietrich Fischer-Dieskau, Ernst Haefliger und Teresa Berganza.

Bis ins Jahr 1983 waren bereits über einhundert LPs erschienen und um die Jahrtausendwende umfasste der Katalog inzwischen knapp vierhundert Titel. Im Jahr 2000 wurde Claves Records zur Claves Records SA. Marguerite Dütschler zog sich 2003 aus dem Geschäftsbetrieb zurück. 2007 wurde der Firmensitz von Thun nach Pully verlegt und Antonin Scherrer führte das Unternehmen bis zu diesem Jahr. Auf ihn folgte Thierry Scherz bis ins Jahr 2010. Ab diesem Zeitpunkt übernahm Patrick Peikert an der Spitze der Claves Records SA. Aktuell ist Maître Olivier Verrey Eigentümer des Unternehmens.

Das Label schaltet ein Profi-Team ein, um die Unternehmensstrategie neu zu definieren. Dies gilt vor allem für die Neugestaltung der CD-Hüllen. Die künstlerische Linie bleibt unangetastet. Sie ruht vor allem auf drei Säulen: Arbeit mit Künstlern, Interpreten oder Institutionen aus der Schweiz, Präsentation von bislang unveröffentlichten Werken und Unterstützung junger Künstler wie Astrig Siranossian, Nicolas Altstaedt, Mélodie Zhao, Cédric Pescia, Xavier de Maistre, Corey Cerovsek, Caroline Goulding und Guillaume Bellom.

Seit 2007 steht der gesamte Katalog auch über Streaming-Dienste zur Verfügung oder zum Download, z. B. über Qobuz. Nachdem 2012 die erste Million Aufrufer dank der digitalen Umstellung die Streaming-Dienste genutzt hatte, überarbeitete das Label den gesamten Katalog – er umfasste 2017 rund 580 Alben und 7.000 Titel – und der Publikationsrhythmus wurde auf eine Neuerscheinung pro Monat konsolidiert.

Der gesamte Katalog ist über die Streaming-Plattformen verfügbar. Dies ist umso interessanter, als bestimmte Referenzaufnahmen nicht oder nicht mehr im Handel sind. Dem generellen Trend im CD-Markt folgend, gewinnt der digitale Handel immer mehr die Oberhand. Zwar schritt diese Entwicklung auf dem Klassikmarkt langsamer voran als anderswo, doch inzwischen ist der Trend nicht mehr aufzuhalten und kennt eine wahre Explosion.

70 % des gesamten Handels werden bereits über die digitalen Plattformen abgewickelt. Der Streaming-Markt macht für Claves 40 % aus. Im Sommer 2017 verlagerte Claves den Firmensitz nach Prilly.

Claves-Gründerin Marguerite Dütschler-Huber ist eine echte «self-made woman». Mit nichts als ihrer unglaublichen Begeisterung für die Welt des Klangs machte sie sich auf, eine Vision in die Tat umzusetzen. Sie bewunderte ihren Cembalo-Lehrer Dähler und schaffte es, mit Hilfe von ca. 350 Unterstützern eine Aufnahme mit Werken von J. S. Bach zu pressen («Kleine Praeludien und Inventionen für zwei und drei Stimmen»). In der Folge arbeitete sie zunächst mit dem Schweizer Künstler und CD-Pionier Jakob Stämpfli und entwickelte ihre Firma zur ersten schweizerischen Plattenfirma, bei der die wichtigen digitalen Scheiben erschienen. Von 1968 bis 1983 erschienen etwas über hundert «schwarze» Aufnahmen (LP), meist im Doppel mit einer Version auf Musikkassette. 90 % des Handels findet außerhalb der Schweiz statt. Erfolgreich verkauft werden zwischen 3.000 und 10.000 Platten (oder Kassetten), darunter Highlights wie Mozarts Concerto für Klarinette und Fagott (47.000 Exemplare) oder Schuberts Winterreise, gesungen von Ernst Haefliger (13.000).