Franco Ambrosetti. Foto: D. Vass

Franco Ambrosetti. Foto: D. Vass

Vibrierende Luft in Bingen

Das Motto der diesjährigen Ausgabe des Internationalen Jazzfestivals "Bingen swingt" lautet: Trumpets, Bones & Horns! Mit dabei: die Legenden Klaus Doldinger und Franco Ambrosetti.

 

Bläser sind aus dem Jazz nicht weg zu denken. Ob Holzbläser oder „Brass“, ob als SoloInstrument oder als feines Rhythmusgewebe, ob in Kleinformation oder einer Bigband, ob Mainstream oder Subkultur - sie bringen ordentlich Wind ins musikalische Geschehen! Höchste Zeit also in diesem Jahr der Vielfalt der Blasinstrumente eine Bühne zu bieten und unter dem Motto „Trumpets, Bones & Horns“ am letzten Juni-Wochenende unterschiedlichste Formationen zum Internationalen Jazzfestival nach Bingen zu laden. Und ebenfalls Grund genug, gleich mehrere Legenden des Jazz zu präsentieren.
 
Der Saxophonist Klaus Doldinger präsentiert mit seiner wohl bekanntesten Formation Passport seine jüngst erschiene CD und der Italoschweizer Franco Ambrosetti beweist mit Flügelhorn und Trompete, dass der heute 75jährige nicht minder zu den European Jazz Legends gehört. Noch nicht wirklich Legende aber dennoch ein Schwergewicht des europäischen Jazz ist Posaunist Nils Wogram.

Gleich drei Saxophonisten kommen zusammen, wenn Altmeister Tony Lakatos zusammen mit Rick Margitza und Gabor Bolla ihr Projekt „The Gypsy Tenors“ vorstellen und sie ihre gemeinsamen Wurzeln als Roma musikalisch würdigen. Zwei Musiker mehr als die sechsköpfige Besetzung rund um Lakatos bringt die Brass Band Marshall Cooper auf die Bühne. Die Bezeichnung Brass Band ist hier allerdings zu kurz gegriffen, denn neben einem ordentlichen Bläsersatz überschreitet DJ Mahmut The 1st mit seinen Turntables die festgetrampelten Pfade zwischen Mega-Pop/Rock, TexMex, Rhythm'n'Blues und Filmmusik.
 
Aber es geht noch größer und was wäre das Motto „Trumpets, Bones & Horns“ ohne die Bigband? Oftmals „Brutstätte“ für hochbegabte Nachwuchsmusiker - was bei Bingen swingt erneut durch den Jugendbigband Wettbewerb und durch das Jugendjazzorchester Rheinland-Pfalz Phoenix Foundation unter Beweis gestellt wird - ist die Bigband wohl eine der klassischsten Formationen im Jazz und hat mit Thilo Wolfs Small Bigband & String of Pearls einen hervorragenden Vertreter des Swings. Aber Vorsicht, wer hier in konventionellen Kategorien denkt! So vereint die Jazz Bigband Graz eine Fülle von Elementen afrikanischer-, Minimal- und elektronischer Musik sowie Popkultur und Literatur in ihrer ganz eigenen Klangästhetik und die Jazzrausch Bigband hat sich unter anderem den TechnoElementen verschrieben.

Bei so viel „Gebläse“ muss aber auch ein Gegenpol her: Mal ganz ohne Blasinstrumente, dafür aber ebenfalls außerordentlich vielfältig, zeigen sich der in New York lebende Israeli Shai Maestro und der Berliner Johannes Bigge. Beide Pianisten sind mit ihrer jeweils klassischen Trio-Formation zu Gast und beweisen, dass gleiche Besetzungen doch ganz unterschiedlich klingen können. Kommt dann noch eine Gitarre zu Klavier, Schlagzeug und Bass und ist dieser Gitarrist kein geringerer als Giovanni Weiss, steht fest: der Sinti-Swing hält Einzug. Tief verwurzelt in der reichen musikalischen Tradition Django Reinhardts und zugleich aufgeschlossen gegenüber modernen Spielarten des Jazz, erschafft er mit Django Deluxe seinen eigenen musikalischen Kosmos auf höchstem Niveau.
 
Auch wenn noch die ein oder andere Programmlücke in den nächsten Tagen geschlossen wird, so steht doch jetzt bereits fest: nationale und internatonale Stars, hochbegabter Nachwuchs und viele musikalische Entdeckungen machen Bingen swingt 2017 zu etwas ganz Besonderem!

www.bingen-swingt.de