Auch Midori Seiler kommt nach Köthen. Bild: Maike Helbig

Auch Midori Seiler kommt nach Köthen. Bild: Maike Helbig

Viele Meister in Köthen

"Direkt am fließenden Übergang zwischen Traditionsbewusstsein und neugierigem Blick auf zeitgenössische Präsentationsformen für Musikliebhaber von Klassik bis Elektro" - so die Selbstbeschreibung der Bachfesttage-Leitung.

Am 331. Geburtstag von Johann Sebastian Bach (21. März) war europaweiter Tag der Alten Musik. Ein schöner Anlass, um das Programm der Köthener Bachfesttage 2016 (28.8. bis 4.9.) vorzustellen. Intendant Folkert Uhde hatte dafür zu einem Konzert der Barockgeigerin Midori Seiler in die St. Agnus Kirche Köthen eingeladen, wo Bach einst mit seiner Familie den Gottesdienst besuchte.

Der Selbstanspruch des Festivals: "Die Köthener Bachfesttage bewegen sich mit einem spannungsgeladenen Programm und großer Experimentierfreude direkt am fließenden Übergang zwischen Traditionsbewusstsein und neugierigem Blick auf zeitgenössische Präsentationsformen für Musikliebhaber von Klassik bis Elektro."

Das Festival lädt ein, nicht nur die Stadt Köthen, sondern auch ihre attraktive Region zu entdecken. In der Mitte des Dreiecks Berlin-Leipzig-Magdeburg gelegen und von diesen Städten schnell zu erreichen, bieten die Bachfesttage damit auch einen Anlaufpunkt für Familien und Wochenendausflügler.  

Ensemble Resonanz, Midori Seiler, The Tallis Scholars, Alban Gerhardt, das Signum Saxophon Quartett, das Vocalconsort Berlin und Francesco Tristano – vielfältiger könnte das Line-Up der 26. Köthener Bachfesttage kaum sein. Lokale Künstler wie internationale Größen, die hier aufeinander treffen, haben alle etwas gemeinsam: Jedes ihrer Konzerte zeichnet sich durch eine eigens für Köthen entwickelte Dramaturgie, das Spiel mit Räumen, Kontexten und/oder Lichtdesign aus.

Eigens für die diesjährige Ausgabe des Festivals wurde mit dem BachCollektiv unter der künstlerischen Leitung der deutsch-japanischen Barockgeigerin Midori Seiler außerdem ein generationsübergreifendes Spezialisten-Ensemble für Alte Musik gegründet. Neben „großen“ Konzerten von 60 bis 120 Minuten Dauer – darunter Aufführungen von Bachs Johannespassion und der Kunst der Fuge – sind auf dem Schlossfest am 3. und 4. September eine Vielzahl von „Viertel-“ und „Halbkonzerten“ zu erleben, die rund 20 bzw. 40 Minuten dauern und an vielen verschiedenen kleinen Orten im Schloss und der Altstadt, wie z.B. in der 88 Stufen hoch gelegenen Türmerwohnung der St. Jakobskirche, stattfinden: Das Leipziger Vocalensemble singt, Kai Schumacher spielt auf dem Flügel Love-Songs von Bach und anderen, Alexander & Alexandra Grychtolik improvisieren auf zwei Cembali nach Publikumswünschen, Alban Gerhard spielt Bachs Cellosuiten und Clemens Goldberg gibt dazu Erläuterungen. Einige Veranstaltungen rund um das Schloss sind kostenlos.  

Aus bescheidenen Anfängen im Jahr 1967 hat sich in den letzten 15 Jahren unter der Intendanz von Hans-Georg Schäfer ein Festival entwickelt, zu dem alle zwei Jahre Bachliebhaber aus der ganzen Welt nach Köthen pilgern. Auch aus der Region kommen zahlreiche Besucher in die Stadt, in der Bach 1717 bis 1723 als Hofkapellmeister wirkte, um sich von der Musik inspirieren zu lassen. 2016 wird das Festival erstmalig von dem Berliner Dramaturgen, Musikmanager und Konzertdesigner Folkert Uhde gestaltet, der mit neuen Konzertformaten und einem großen Schlossfest die traditionsreichen Bachfesttage weiterentwickelt und öffnet.