Amarcord. Foto: Rolf Arnold

Amarcord. Foto: Rolf Arnold

Von Gregorianik bis Widmann

Seit einem Vierteljahrhundert besteht das A-Cappella-Quintett amarcord und macht dazu seine 25. CD-Produktion.

25 Jahre a-cappella-Kunst feiert das Vokalensemble amarcord 2017. Im Jubiläumsjahr veröffentlicht das Quintett seine 25. CD-Produktion (Tenebrae, VÖ: 15.09), führt mit dem Münchner Kammerorchester und dem Gewandhausorchester das diesjährige Auftragswerk von Jörg Widmann auf, vertieft mit mehren Projekten seine Position als einer der führenden Interpreten der Alten-Musik-Szene und setzt zudem neue Akzente auf der Bühne mit szenischen Produktionen.

In „Ballroom Dreams" lässt amarcord gemeinsam mit Wishful Singing und Friend 'n Fellow die Sehnsüchte und Erinnerungen, die mit einem Ballabend verbunden sind, musikalisch aufleben. Nach der Premiere im Januar in Rotterdam ist das Stück am 5. Juli bei der „Internationale Koorbiennale Haarlem" zu erleben. Zusammen mit der Choreografin und Regisseurin Irina Pauls widmet sich das Quintett in einer deutsch-maltesischen Koproduktion einem eher unbekannten Werk von Friedrich Schiller, das gerade aus heutiger politischer Sicht an Aktualität nichts eingebüßt hat: In „Die Maltheser", einer unvollendeten Tragödie, thematisiert Schiller anhand der großen Belagerung Maltas (1565) den Konflikt zwischen Orient und Okzident. Premiere feiert das Cross-Over mit Tänzern, Sängern und Instrumentalisten aus Deutschland, Österreich und Malta am 8./9. November in Leipzig im Rahmen der euro-scene. Weitere Aufführungen sind für 2018 in Salzburg (SZENE Salzburg) und Valetta (Malta Arts Festival) geplant. 

Im Juni steht ein besonderes Highlight auf dem Programm: Erstmals musizieren die amarcord-Sänger mit den Kollegen von Calmus und interpretieren die 12-stimmige Messe „Et ecce terrae motus" von Antoine Brumel (27. Juni, 20 Uhr, Thomaskirche Leipzig). Dieser Meilenstein der Vokalmusik soll zu Luthers Disputation 1519 in der Leipziger Thomaskirche erklungen sein. Weitere Aufführungen folgen bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern und der renommierten Konzertreihe grundton d des Deutschlandfunks.

Ebenfalls im Juni ist amarcord mit einem speziellen Konzert zum Luther-Jubiläum beim Bachfest Leipzig zu hören. Mit seinem neuen Album „Tenebrae" wirft das Leipziger Quintett einen besinnlichen Blick auf die Weiten seines Repertoires und schlägt einen Bogen von früher Ein- und Mehrstimmigkeit (gregorianische Choräle und Hildegard von Bingen) über die Renaissancepolyphonie von Großmeistern wie Johannes Ockeghem und Thomas Tallis bis hin zu zeitgenössischen Stücken von Sydney Boquiren, Ivan Moody und dem Leipziger Marcus Ludwig, die für amarcord geschrieben wurden.

Vom 25. August bis 3. September gastiert amarcord in Japan beim 13. Karuizawa International Choral Festival. Das Ensemble konzertiert in Tokio, Kyoto u.a., gibt Meisterkurse und wird als Jury den Ensemblewettbewerb des Festivals begleiten. Besonders auf dem Gebiet der Alten Musik genießt amarcord weltweit hohes Ansehen: für seine Interpretationen, seine Beschäftigung mit selten zu hörenden Werken sowie für seine intelligente Programmzusammenstellung.

2017 gestaltet das Ensemble drei Konzerte der Reihe Pavillon Mittelalter bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, die sich unterschiedlichen Schwerpunkten widmen. So wird die Lesung von Umberto Ecos „Der Name der Rose" mit Sky du Mont verbunden mit Gregorianischen Chorälen zu den Stundengebeten und Werken von Hildegard von Bingen, Guillaume de Machaut u.a.

In den weiteren Konzerten erklingen u.a. die Dufay-Motette „Nuper rosarum flores" sowie Auszüge aus dem Thomasgraduale. Als Preisträger des Festivals sind die Sänger seit vielen Jahren eng mit der Veranstaltungsreihe verbunden. Im September führen sie zudem die Marienvesper von Monteverdi in der Rostocker St.-Nikolai-Kirche auf.

Das Vokalensemble amarcord gilt als eines der wichtigsten Repräsentanten der Musikstadt Leipzig im In- und Ausland. Mit Konzerten in über 50 Ländern der Welt und zahlreichen CD- und Rundfunkproduktionen blickt das Quintett auf eine einzigartige Karriere, die u.a. mit einem International Classical Music Award, zwei ECHO Klassik-Preisen und sechs Contemporary A Cappella Recording Awards, den „A-cappella-Oscars" belegt ist.

Zu den herausragenden Produktionen zählen u.a. „Die Motetten von J.S. Bach" (dhm/Sony) mit der Lautten Compagney, „Rastlose Liebe – ein Spaziergang durch das romantische Leipzig", „The Book of Madrigals" und „ARMARIUM – aus dem Notenschrank der Thomaner". Im November 2016 veröffentlichte amarcord das Album „Schubert" gemeinsam mit dem Pianisten Eric Schneider.