Dennis Russell Davies. Foto: Reinhard Winkler

Dennis Russell Davies. Foto: Reinhard Winkler

Wechsel beim zweitgrößten Orchester Österreichs

Markus Poschner, bisher Generalmusikdirektor in Bremen, übernimmt in Linz die Chefposition von Dennis Russell Davies. Anlass für die Linzer, auf die vielen Meilensteine, die Davies gesetzt hat, zurückzublicken.

Mit Dennis Russell Davies übernahm vor 15 Jahren ein Dirigent mit großer nationaler (zuvor war er Chefdirigent des Radio-Symphonie Orchesters Wien, 1996-2002) wie internationaler Reputation – seit nunmehr 48 ununterbrochenen Jahren ist er als Orchesterchef in den USA und Europa tätig - die Linzer Chefposition. Im Sommer 2017 folgt ihm der bisherige Bremer Generalmusikdirektor Markus Poschner. Zum Abschied von Dennis Russell Davies erinnern die Linzer noch einmal an die aus ihrer Sicht gute Zusammenarbeit.

Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit in Linz brachte Dennis Russell Davies ein bis heute erfolgreiches Musikvermittlungs-Programm – move.on – auf den Weg, zeitgleich mit den Berliner Philharmonikern als erstes Orchester im deutschsprachigen Raum. Das Bruckner Orchester Linz steigerte die Zahl seiner Konzerte für Kinder und Jugendliche von damals vier auf heute bis zu 16 Konzerten pro Saison.

Im Sommer 2013 entwickelte und gründete Davies, der sich bereits im Vorfeld als Ordentlicher Universitäts-Professor an der Universität Mozarteum in Salzburg seinen musikpädagogischen Neigungen widmen konnte, die Orchester-Akademie des Bruckner Orchesters (BOL), die als musikpädagogisches Konzept mit Vorzeige-Charakter gemeinsam mit der Linzer Anton Bruckner Privat-Universität einerseits und erfahrenen Dozenten aus dem Reigen des Orchesters andererseits durchgeführt wird und schon jetzt mit einer Reihe höchst erfolgreicher Absolventen aufwarten kann, die den Übergang in hochkarätige Klangkörper im In- und Ausland geschafft haben.

Mit dem Einzug in das Musiktheater am Volksgarten in 2013 vergrößerte Dennis Russell Davies das Bruckner Orchester Linz um zwanzig Positionen auf nunmehr 130 Musiker, und machte es so zum zweitgrößten Klangkörper Österreichs.

Im Jahr 2007 wurde den Mitgliedern des BOL ermöglicht, eine eigenverantwortete Kammerkonzert-Reihe zu installieren, die seither unter dem Namen „Mosaik“ das Musikleben der Stadt bereichert und darüber hinaus - durch Gagenverzicht und Spende der Eintrittsgelder durch die beteiligten Musiker – eine starke karitative Komponente einbringt.

Unter Dennis Russell Davies entwickelte das Bruckner Orchester eine lebhafte CD-Aufnahmetätigkeit. Ein großer Teil dieser etwa 40 CD- und DVD-Aufnahmen ist bereits auf bedeutenden Labels wie Orange Mountain Music und SONY erschienen; weitere werden in nächster Zeit in der neu gegründeten „Edition Bruckner Orchester“ erscheinen und beredtes Zeugnis vom hohen Leistungsstandard des BOL ablegen. So hat das Orchester als erstes und einziges Orchester der Welt alle Bruckner-Sinfonien in allen Fassungen eingespielt, dazu alle Beethoven-Sinfonien, dazu Werke von Philip Glass, Arvo Pärt, W.A. Mozart, Gustav Holst und zuletzt auch mit Renaud Capuçon (Violine) Solo-Werke von Bernstein und Glass und vieles andere mehr.

Mit der Eröffnung des Neuen Musiktheaters am Volksgarten wurde ein lang gehegter Wunsch des Orchesters erfüllt. Die großbesetzten Orchesterwerke in Oper und Ballett konnten endlich klangwirksam dargestellt werden; und so konnten nicht nur die Werke von Richard Strauss (Rosenkavalier, Salome), Zemlinsky und Schreker, sondern auch Wagners „Ring des Nibelungen“ in angemessener Form präsentiert werden.

Mit drei bis fünf Opern- und Ballett-Neuproduktionen sowie zahlreichen Wiederaufnahmen pro Saison, sowohl im Großen Haus als auch in der Blackbox, legte Dennis Russell Davies, der in seiner Karriere über 150 Opernproduktionen herausbrachte, auch als Opernchef eine beeindruckende Bilanz vor.

Unter drei Intendanten pflegte er das Opern-Repertoire in allen Schattierungen von der „Zauberflöte“ über Wagners „Ring“ bis zur Uraufführung von Philip Glass' „Spuren der Verirrten“ (die letztgenannte Oper wurde auch im ORF und auf 3Sat übertragen).

Gastspiele führten das Opernensemble mit Bernsteins „West Side Story“ nach Athen und Ludwigsburg, mit Mozarts „Entführung aus dem Serail“ nach Ferrara und Modena. Zudem brachte es die Glass-Oper „Kepler“ mit den Solisten, Chor und Orchester des Landestheaters zu drei umjubelten und ausverkauften Aufführungen nach New York. „Kepler“, entstanden als Auftragswerk zum Linzer Kulturhauptstadtjahr 2009, brachte es alleine in Linz auf insgesamt 17.000 Zuschauer und wurde somit zur erfolgreichsten zeitgenössischen Opernproduktion in der Geschichte des Landestheaters. Die „Kepler“-Premiere wurde, zum ersten Mal in der Geschichte der Republik Österreich, live aus dem Linzer Landestheater in Kinos aller Landeshauptstädte übertragen.

Das Orchester hat Dank des unermüdlichen Einsatzes des Chefdirigenten bedeutende Tourneen und Gastspiele, davon allein drei große USA-Tourneen sowie auf die Kanarischen Inseln, in das Vereinigte Königreich und eine nach Spanien durchführen können. Zu den Auftritten in Linz, im ganzen Bundesland und den anderen Landeshauptstädten kamen Einzelgastspiele in Metropolen wie Paris, Düsseldorf, Istanbul, Zagreb, Köln, Bratislava, München, Athen, Brno, Dresden, Bratislava, Dortmund und Budapest hinzu.

Wie schon in seinen Jahren als Chefdirigent des RSO Wien (1996-2002) hat sich Davies besonders der zeitgenössischen Musik gewidmet, und hier vor allem den österreichischen Komponisten. Er setzte damit sein Motto „Die Neue Musik ist hier Chefsache“, das seine Wiener Jahre beim RSO bestimmt hatte, in Linz fort. Und so waren es nicht nur die bekannten österreichischen Komponisten von HK Gruber über Friedrich Cerha bis Kurt Schwertsik, die er in Wien und Linz, aber auch beispielsweise in den USA aufführte, sondern vor allem die oberösterreichischen Komponisten wie Fridolin Dallinger, Marco Lemke, Augustinus Franz Kropfreiter und Simone Zaunmair, aber auch und im Besonderen Peter Androsch, Ernst Ludwig Leitner und Balduin Sulzer, mit denen er neue Opern als Uraufführungen auf die Bühnen des Landestheaters brachte.

Gemeinsam mit der international höchst angesehen Institution der Ars Electronica entwickelte Davies seit 2003 gemeinsam mit Gerfried Stocker die alljährlich zum Ars Electronica Festival ausgerichtete „Lange Konzertnacht“, die sich an den ungewöhnlichsten Konzertorten und unter Einbeziehung visueller Dimensionen zu einer der bedeutendsten Plattformen Neuer Musik für Sinfonie-Orchester in Europa entwickelte.

Das Orchester bestreitet seit nunmehr fünf Jahren (Saison 12/13) eine eigene Konzertreihe im Wiener Musikverein, wie überhaupt die Präsenz des Orchesters in Österreichs bedeutendstem Konzertsaal von gelegentlichen Auftritten in weiten zeitlichen Abständen auf eine Präsenz von vier bis fünf Konzerten pro Saison gesteigert und stabilisiert werden konnte.

Die Verpflichtung von GMD Dennis Russell Davies und das von ihm in den folgenden fünfzehn Jahren Geleistete können als Meilensteine in der musikalischen Entwicklung des Landes Oberösterreich und seiner Landeshauptstadt bezeichnet werden.