Franz-Liszt-Grafik von Susanne Tutein.

Franz-Liszt-Grafik von Susanne Tutein.

Weimarer Hochschule erforscht Namenspatron

Ein neues Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft startet in Weimar. Thema ist das Liszt-Bild in der zeitgenössischen Musikpublizistik.

Am Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena hat ein neues DFG-Forschungsprojekt zu Franz Liszt seine Arbeit aufgenommen: „Das Liszt-Bild in der zeitgenössischen Musikpublizistik“. Es ist das erste Weimarer Forschungsprojekt, das sich explizit dem Namenspatron der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar widmet. Das Projekt wird unter der Leitung von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt von Projektmitarbeiterin Ulrike Roesler M.A. bearbeitet und hat eine Laufzeit von drei Jahren.  

Franz Liszt zählt zu den facettenreichsten Künstlerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts und schon zu Lebzeiten wurde ihm eine enorme mediale Präsenz in Biographien, Musiklexika, Fachbüchern und vor allem in Zeitschriften zuteil.

Das Anliegen des Projektes ist es, das umfangreiche und durchaus heterogene Bild, das die zeitgenössische Musikpublizistik der frühen 1820er-Jahre bis in die späten 1880er-Jahre von Liszt zeichnet, in den Blick zu nehmen und zentrale Aspekte dieser ambivalenten Auseinandersetzung zu beleuchten.  

Mithilfe eines rezeptions- und diskursanalytischen Ansatzes der musikpublizistischen Forschung soll das Projekt ein quellenfundiertes Gegengewicht zu der in der Forschung bisweilen überbetonten Selbstinszenierung Liszts bilden und zugleich den Fokus auf zwei Rezeptionsstränge legen: die „Lebensbilder“ und die „Künstlerbilder“. Beide Stränge sollen zunächst für sich genommen dokumentiert, interpretiert und abschließend als Aspekte einer umfassenden musikpublizistischen Diskursgeschichte wieder zusammengeführt werden.

Die Methode bietet die Chance, Liszts Rezeption nicht im Sinne von ‚wahr oder falsch‘ biographisch interpretieren zu müssen und gestattet zudem, Abstand von verengenden Polaritäten wie ‚Virtuose versus Künstler‘ oder ‚neudeutsche versus absolute Musikästhetik‘ zu gewinnen.  

Mit dem Einbezug von Biographien, Musiklexika, Fachbüchern und einem breiten Panorama der musikalischen Fachzeitschriften soll ein Spektrum gewonnen werden, das das Publikationsnetzwerk um Liszt verdeutlicht und neben einzelnen Wortführern auch häufig anonym bleibenden Gelegenheitsrezensenten und Korrespondenten Raum gibt.