Kriegt den "Jazz Pott" in Essen: Jochen Rückert. Foto: Konstantin Kern

Kriegt den "Jazz Pott" in Essen: Jochen Rückert. Foto: Konstantin Kern

Wenn das Hirn swingt: Jazz im Grillo

FONO FORUM Autor Dr. Berthold Klostermann hat wieder eine spannende Reihe von "Jazz in Essen" zusammengestellt. Los geht's mit der Verleihung des "Jazz-Pott" an einen Kölner in New York.

Für Jazz-Fans im Ruhrgebiet gehört das Grillo-Theater zu einer der Top-Adressen. Bereits seit 1992 ist das Schauspielhaus im Herzen Essens auch das Zuhause einer renommierten Jazz-Reihe: Unter dem Label „Jazz in Essen“ geben sich die ganz Großen der Szene die Klinke in die Hand. Für die nächste Saison hat der Künstlerische Leiter Dr. Berthold Klostermann, der unter anderem zu den Autoren der Jazz-Redaktion des FONO FORUM gehört, wieder ein attraktives und vielseitiges Programm mit fünf Konzerten zusammengestellt; der Kartenvorverkauf für alle Veranstaltungen beginnt am 1. Juni.

Seit 2012 beginnt die jazzige Spielzeit jeweils mit der Verleihung des Essener „Jazz Pott“ – ein Preis für innovative Jazzmusiker, der 1998 von Viktor Seroneit († 2011) und Niklaus Troxler für den „Plakat Kunst Hof Rüttenscheid“ begründet wurde. In diesem Jahr geht der „Pott“ an den Schlagzeuger Jochen Rückert, einen der wenigen deutschen Musiker, die auch in der Jazzmetropole New York Fuß fassen konnten. Der aus Köln stammende Drummer, bei uns vor allem von Nils Wogram & Roots 70 bekannt, lebt seit fast 20 Jahren in Brooklyn, arbeitete dort bei Marc Copland, Kurt Rosenwinkel, Mark Turner zusammen und leitet selbst ein international besetztes Quartett aus Top-Musikern der New Yorker Szene. Nach Essen begleiten ihn Walter Smith III (Saxophon), Lage Lund (Gitarre) und Orlando LeFleming (Bass). Das „Jazz Pott“- Konzert mit Preisverleihung findet am 24. September statt.

Mit dem kubanischen Pianisten Gonzalo Rubalcaba kommt am 6. November 2016 ein mehrfach mit Grammys und Latin-Grammys ausgezeichneter Tastenvirtuose ins Grillo-Theater. Gemeinsam mit Will Vinson (Saxophon), Matt Brewer (Bass) und Jeff Ballard (Schlagzeug) widmet Rubalcaba unter dem Titel „Tribute to Charlie Haden“ seinem vor zwei Jahren verstorbenen Mentor jetzt ein eigenes Programm. Denn der legendäre amerikanische Jazz-Kontrabassist, Komponist und Bandleader Haden war es, der den Kubaner international bekannt machte, ihm einen Plattenvertrag verschaffte und diverse Alben mit ihm aufnahm.

Am 29. Dezember 2016 macht eine Schauspielerin im Grillo-Theater Station, die neben ihrer Film- und Fernsehkarriere auch als Musikerin sehr erfolgreich ist: Jasmin Tabatabai. Sie gründete die Berliner Frauen-Country-Rock-Band Even Cowgirls Get the Blues, schrieb den Soundtrack zum Streifen „bandits“, sang in Filmen und brachte eigene Platten heraus. Für das Album „Eine Frau“, auf dem sie sich jazzig präsentiert, wurde sie 2012 als „beste Sängerin/national“ mit dem „Echo Jazz“ ausgezeichnet, und die Süddeutsche Zeitung verglich sie mit Marlene Dietrich und Hildegard Knef. Mit dem David Klein Quartett – David Klein (Saxofon), Olaf Polziehn (Klavier), Ingmar Heller (Bass) und Peter Gall (Schlagzeug) – stellt sie das zweite gemeinsame Album vor: „Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist?“

Weiter geht es am 12. Februar 2017 mit dem Essen Jazz Orchestra feat. Robin Eubanks. Mit einer Reihe von Konzerten in der Casa hat sich das Essen Jazz Orchestra den Ruf einer wahren „All Star Big Band“ der hiesigen Szene erspielt. Für den großen Auftritt auf der Grillo- Bühne hat Orchesterleiter Tobias Schütte den Top-Posaunisten Robin Eubanks hinzugeladen, der bei „Jazz in Essen“ schon im Quintett und Quartett von Dave Holland sowie mit eigener Band zu hören war. Eubanks, der in den 1980er Jahren mit dem M-Base-Kollektiv um Steve Coleman bekannt wurde, stellte jüngst ein eigenes Orchesterprojekt vor, von dem er sicherlich die ein oder andere Nummer mitbringen wird.

Den fulminanten Schlusspunkt der Saison setzt am 26. Mai 2017 das Émile Parisien Quintet, das gemeinsam mit dem Pianisten Joachim Kühn im Grillo-Theater aufspielen wird. Mit seinen musikalischen Helden Ornette Coleman, Archie Shepp und Pharoah Sanders hat Kühn bereits zusammengearbeitet. Daneben hatte er aber auch immer die interessanten Aufsteiger im Blick. Jetzt schließt sich Kühn dem Quintett des Saxofonisten Émile Parisien an, der zu den aufregendsten Newcomern der französischen Szene zählt und nicht umsonst 2012 mit dem „Prix Django Reinhardt“ als bester französischer Jazzmusiker ausgezeichnet wurde. Kühn und er verstanden sich auf Anhieb, und so wird dieses erfolgreiche deutsch-französische Gipfeltreffen in Sachen Jazz auch in Essen fortgesetzt.

Die Reihe „Jazz in Essen“ wird realisiert in Kooperation mit dem Kulturbüro der Stadt Essen und gefördert von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Der Kartenvorverkauf für alle „Jazz in Essen“-Konzerte der kommenden Saison beginnt am 1. Juni 2016: TicketCenter, Tel.: 0201/81 22-200, oder tickets@theater-essen.de sowie online über www.schauspiel-essen.de