Wenn nicht „nach vorne“ so doch „ins Freie“

Am Vortag seines 90. Geburtstags ist gestern in München der Komponist Wilhelm Killmayer verstorben. Der in München und am Chiemsee beheimatete Komponist und Dirigent war seit 1980 Mitglied der Sektion Musik der Akademie der Künste.

Ersten Studien des Dirigierens und der Komposition am Münchner „Musikseminar“ folgten prägende Studienjahre der Komposition bei Carl Orff sowie der Musikwissenschaft, der Germanistik und des Italienischen an der Universität München. Bevor Killmayer 1973 zum Professor für Komposition an die Musikhochschule München berufen wurde, lebte er u.a. einige Jahre als freischaffender Komponist in Frankfurt am Main und Paris (Stipendium an der Cité des Arts). Killmayer wurde 1972 ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der schönen Künste. Bis zuletzt war Wilhelm Killmayer im Musikleben durch zahlreiche Aufführungen seiner Werke präsent.

Sein kompositorischer Stil zeugt von ausgeprägtem Klangsinn und hält sich bemerkenswert fern von avancierten Hauptströmungen der Nachkriegszeit. Seine Musik tendiert zum Melodisch-Kantablen – bei einer dennoch vielfältig ausgefächerten Stilistik vom groß besetzten dramatischen Chorwerk über lebhafte Kammermusik bis zur „musikalischen Posse“ (z.B. Yolimba oder die Grenzen der Magie, 1962/63, rev. 1970). Killmayer hinterlässt ein großes Oeuvre in allen Genres der europäischen Kunstmusik. Helmut Lachenmann schreibt über ihn: „Wilhelm Killmayer war ein geistvoller und auf eigene Weise innovativer Komponist. Sein kompositorischer Griff zurück zu vertrauten Mitteln war zugleich Blick und kreativ besessener Ausbruch, wenn nicht „nach vorne“ so doch „ins Freie“. Stilistisch weit anderswo angesiedelt und sich bewegend als „unsereiner“ war er fähig zu einer Zuwendung, die übers unverbindlich Kollegiale weit hinaus und in die Tiefe ging, wobei seine Identifikationsbereitschaft als anspruchsvoll geladene mich – und nicht nur mich – bei jeder Begegnung bereichert und wunderbar herausgefordert hat.