Klangforum Wien. Foto: Judith Schlosser

Klangforum Wien. Foto: Judith Schlosser

Wenn Wien modern ist

Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Und wo zum Teufel sind wir hier überhaupt? Der neue künstlerische Leiter Bernhard Günther stellt in seiner ersten Festivalausgabe von Wien Modern „die letzten Fragen“. Das Programm umfasst 88 Veranstaltungen mit 55 Ur- und Erstaufführungen.

An 31 Spieltagen und in 21 Spielstätten lädt das Festival Wien Modern ein breites Publikum ein, dem heutigen Stand der zeitgenössischen Musik und ihrer (Wiener) Vorgeschichte auf den Zahn zu fühlen. Mit Veranstaltungen im Stephansdom und im Zentralfriedhof, mit Musik von zahlreichen Wiener und Wahlwiener Komponistinnen und Komponisten von Mahler und Schönberg bis hin zu Jorge E. López, Pierluigi Billone, Eva Reiter u.v.a. gibt sich das Programm auch im Sinn einer musikalischen Standortbestimmung betont wienerisch.

„Bei Wien Modern präsentiert sich die Musikstadt Wien seit 1988 von ihrer innovativen Seite. Das Festival verbindet einen Monat lang die großen Orchester und klassischen Konzertveranstalter der Stadt mit vielen weiteren Akteuren und Orten des Wiener Musiklebens quer über die gesamte Stadt. Die internationale Ausstrahlung von Wien Modern zu verstärken, gehört zu den erklärten Zielen des neuen künstlerischen Leiters. Mit heuer 88 Veranstaltungen und 55 Erst- und Uraufführungen zeigt sich Wien Modern 2016 ganz offensiv als eins der größten Festivals seiner Art weltweit. Zugleich versteht sich Wien Modern als regional stark vernetzter Impulsgeber für das zeitgenössische kulturelle Profil unserer Stadt“, betonte Kulturstadtrat Mailath-Pokorny bei der heutigen Pressekonferenz.

Das Festivalthema „Die letzten Fragen” ist für den neuen künstlerischen Leiter Bernhard Günther „ein ewiges Thema der Musik. Der Umgang mit Sinnsuche, Abschied, Tod und Finsternis in der Musik hat angesichts der täglichen Nachrichten von Krieg, Konflikten und Katastrophen etwas durchaus Tröstliches: Das Leben ist halt nicht immer lustig – diese schlichte Weisheit gehörte schon bei Mozart und Schubert zum Basiswissen der ‚ernsten‘ Musik.“

Ob mit Ernst oder Ironie, Melancholie oder Zorn, in Nachtschwärze oder Golddekor, puristisch oder eklektisch, experimentell oder schlicht wunderschön, für junges Publikum, Stammkunden oder Neugierige, mit Musik der Urgroßväter Mahler, Schönberg, Ravel und Satie oder 55 Ur- und Erstaufführungen – das Programm gibt sich kontrastreich und generationsübergreifend. Das Festival nutzt dabei auch die auffällige Häufung runder Geburtstage prominenter KomponistInnen – Friedrich Cerha, Karl Schiske, György Kurtag, Hans Zender, Steve Reich und Sofia Gubaidulina –, um einen Blick auf die existenzielle Seite der neuen Musik zu werfen.

Drei spektakuläre Streichquartett-Großprojekte bieten Gesamtaufführungen aller Quartette von Birtwistle, Schönberg und Schostakowitsch (letztere in einem begehbaren Simultankonzert). Dazu kommen große Orchesterkonzerte, Kammermusik, Medienkunst, Musiktheater, eine Klanginstallation, mehrere Exkurse in die kontrastreichen Szenen der improvisierten und elektronischen Musik in Wien und anderswo, sowie zahlreiche Rahmenveranstaltungen.

Das Festival wird vom Verein Wien Modern in Kooperation mit der Wiener Konzerthausgesellschaft und der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien veranstaltet. Wien Modern wird ermöglicht von der Kulturabteilung der Stadt Wien, dem Bundeskanzleramt Kunst und Kultur sowie dem Festivalsponsor Kapsch AG und dem Sponsor Erste Bank. Mit freundlicher Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung.