Forschungsprojekt der Musikhochschule Detmold. Symbolbild.

Forschungsprojekt der Musikhochschule Detmold. Symbolbild.

Wie die Aufnahmetechnik die Gesangskultur revolutionierte

Im Rahmen des Abschluss-Symposiums zum Projekt „Technologien des Singens" kamen Experten aus den Bereichen Akustik, Musikwissenschaft und Medientechnik in Detmold zusammen.

Mit dem Expertenvortrag zum Thema „Der Wiener Mozartstil zwischen Praxis und Phantasmagorie" ging die internationale und interdisziplinär ausgerichtete Konferenz zum DFG-Forschungsprojekt „Technologien des Singens" in Detmold zu Ende. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich für drei Tage zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland und Europa an der Hochschule für Musik zusammengefunden, um durch ihre Vorträge und Diskussionen eigene Arbeiten sowie die Ergebnisse der Forschungsteams um Prof. Dr. Rebecca Grotjahn, Prof. Dr.-Ing. Malte Kob und Dr. Karin Martensen aus mehrjähriger Projektlaufzeit vorzustellen. 

Die Tagung gliederte sich in insgesamt drei Teilbereiche: Den Anfang machte am Freitag das Panel „Technik und Praxis früherer Stimmaufnahmen", bei dem die Ergebnisse des Forschungsprojekts aus dem Bereich der Musikalischen Akustik im Mittelpunkt standen. In elf Vorträgen und Poster-Präsentationen ging es dabei sowohl um die Geschichte der Aufnahmetechnik, beginnend mit mechanischen Aufnahmen mit rein akustischen Verstärkern über elektroakustische Methoden bis hin zur Analyse und Synthese der akustischen Besonderheiten historischer Aufnahmegeräte und ihrer Interaktion mit der Gesangstimme. Intensiv wurden in einem Roundtable aller Teilnehmenden die Möglichkeiten und Grenzen von Rückschlüssen auf die historische Gesangspraxis hinterfragt. Dazu gehörte auch der Aspekt, inwiefern Sängerinnen und Sänger sich mit ihrer Stimme an die technischen Anforderungen der Aufnahmegeräte anpassen mussten.  

Mit dem Panel „Sängerkarrieren als Medienkarrieren" wurde eine der Grundthesen des Projekts beleuchtet, wonach die Aufnahmetechnik im Wandel der Zeit einen erheblichen Einfluss auf den Erfolg von Karrieren hatte. Im dritten Panel ging es um die Gesangstechnik im Körper- und Mediendiskurs. Mithilfe von computergestützten Verfahren konnte beispielsweise aufgezeigt werden, inwiefern sich der Vokalstil von Sängerinnen veränderte.  

So wurde deutlich, dass musikalische Verzierungen und Koloraturen abnahmen, dafür wurde aber der „Stimmsound" sowie der unmittelbare Ausdruck der Stimme z.B. durch Portamenti, auf denen zusätzlich ein Vibrato gesungen wird, wichtiger. In einem weiteren Panel befassten sich die Teilnehmenden des Symposiums schließlich mit Fragen zur Ästhetik der Gesangsaufnahme.

Hierbei wurde nicht nur der „Wiener Mozartstil" thematisiert, sondern auch z.B. Thomas A. Edison und die empirische Forschung, ferner etwa Fragen der Uraufführung eines Werkes und ihre Widerspiegelung auf dem Medium Schallplatte. Solistisch und gemeinschaftlich aufgeführter Gesang des frühen 20. Jahrhunderts setzte während der Konferenz einen besonderen Akzent. Die Erstellung einer Publikation, die die Ergebnisse des Forschungssymposiums für die Öffentlichkeit verfügbar machen soll, wird nach Abschluss des Projekts erfolgen.

www.hfm-detmold.de/tds