Rainy Days in Luxemburg mit viel neuer Musik.

Rainy Days in Luxemburg mit viel neuer Musik.

Wie fühlt sich Neue Musik an?

Das Festival rainy days der Philharmonie in Luxemburg lädt das Publikum ein, sich zu fragen: «how does it feel?». Die Antworten führen in viele emotionale Landschaften Neuer Musik.

Vom 06. bis zum 19. November 2017 erkundet das Festival rainy days in 17 verschiedenen Veranstaltungen mit 18 Uraufführungen emotionale Landschaften zeitgenössischer Musik. Wie fühlt sich neue Musik an? Neuer Musik wird immer wieder nachgesagt, sich Gefühlen zu verweigern. Diese Ausgabe von rainy days macht das Gegenteil spürbar. In Konzerten, Installationen, Performances, Gesprächen und einer Konferenz lässt es das Festival erleben, wie zeitgenössische Musik Emotionen ausdrücken, hervorrufen, verwandeln, ausnutzen oder vermeiden kann, um Zuhörer zu berühren, zu bewegen, zu befremden oder auf Distanz zu halten.

Diese Vielfalt der Gefühle und die Vielschichtigkeit der emotionalen Dimension zeitgenössischer Musik spiegelt das reiche Programm der rainy days wider: Eine Oper von Wojtek Blecharz für den Körper; eine Liebeserklärung von George Aperghis an die Musiker des Klangforum Wien; explosive Klanggewalten von Peter Brötzmann, Legende des europäischen Free Jazz; eine neue Filmmusik von Wolfgang Mitterer zum Stummfilmklassiker Das Cabinet des Dr. Caligari.

Eröffnet wird das Festival am 06. November mit der Klanginstallation On and Between des kanadischen Klangkünstlers Robin Minard, in der die charakteristische Architektur der Philharmonie neu erfahrbar wird. Das New Yorker JACK Quartet, gefeiert für seine Xenakis-Einspielung, präsentiert am gleichen Abend Iannis Xenakis‘ Hochspannungsstreichquartette von höchster Expressivität. Bis zum 19. November erklingt Musik von großen Namen der zeitgenössischen Musik wie Chaya Czernowin, Georges Aperghis, Enno Poppe, Luciano Berio und vielen anderen auf den Bühnen der Philharmonie, des Grand Théatre und im Mudam.

Das Orchestre Philharmonique du Luxembourg ist traditionell ebenso dabei wie die Luxemburger Ensembles United Instruments of Lucilin und Noise Watchers. Zu den Luxemburger Künstlern des Festivals zählen außerdem die Komponisten Iván Boumans, Catherine Kontz und Claude Lenners sowie die Interpreten Hany Heshmat, Marc Meyers und Aniela Stoffels. Als herausragendes Ensemble zu Gast ist neben dem Klangforum Wien (mit zwei Konzerten), dem JACK Quartet, dem Remix Ensemble Casa da música aus Porto erstmals die junge New Yorker Formation Yarn/Wire. In vier Konzerten stellt sie Werke vor allem jüngerer Komponistinnen und Komponisten aus den USA und Australien vor.

Sein Luxemburger Debüt gibt auch das Londoner Vokalensemble EXAUDI, das Madrigale der Renaissance und der Gegenwart miteinander verwebt. Ebenfalls zum ersten Mal bei rainy days spielen das isländische Künstlerkollektiv S.L.Á.T.U.R. und das Berliner Ensemble Adapter, die gemeinsam die Philharmonie zu einem musikalischen Abenteuerspielplatz für Kinder zwischen sechs und 12 Jahren werden lassen.

Als Solistin in Morton Feldmans Oper Neither konnte die Sopranistin Susanne Elmark gewonnen werden, die bereits 2012 und 2015 in der Philharmonie konzertierte. Vielfalt der Formate – neue Formate rainy days bietet eine Vielfalt von Formaten mit u. a. Konzerten, Klang- und Konzertinstallationen, Performances und Gesprächen. Im musikalisch-diskursiven Salims Salon widmen sich fünf Künstlerinnen und Künstler politisch hochaktuellen Fragen nach dem Fremden und der Identität.

Am letzten Tag des Festivals verwandeln sich die Philharmonie und das Mudam in eine Wunderkammer von 20-minütigen Konzerten mit einem Kaleidoskop unterschiedlichster Emotionen. Beim Bal contemporain, der Abschlussparty des Festivals, vermischt United Instruments of Lucilin mit Project 128 feierfreudig alle Grenzen zwischen zeitgenössischer Musik, Musette, luxemburgischen Chansons und Techno.

Zum ersten Mal veranstaltet rainy days eine Konferenz zum Festivalthema. In Vorträgen und Diskussionen beleuchten Musikwissenschaftlerinnen wie Helga de la Motte-Haber oder Zeynep Bulut das Verhältnis von zeitgenössischer Musik und Musiktheater zu Emotionen aus unterschiedlichen Perspektiven. Ebenfalls zum ersten Mal präsentiert rainy days in Kooperation mit United Instruments of Lucilin das Abschlusskonzert der Luxembourg Composition Academy.

Acht junge Komponistinnen und Komponisten aus sechs verschiedenen Ländern arbeiten zuvor eine Woche lang mit den beiden Kompositionsdozenten Chaya Czernowin (Harvard University) und Mauro Lanza (Universität der Künste Berlin) sowie den Musikerinnen und Musikern von Lucilin in Meisterkursen und Workshops zusammen und stellen im Abschlusskonzert ihre neuen Werke vor. Das Festival präsentiert insgesamt 24 Uraufführungen und neue Werke von Wojtek Blecharz, Iván Boumans, Rick Burkhardt, Chaya Czernowin, Catherine Kontz, Catherine Lamb, Claude Lenners, Genoël von Lilienstern, Enno Poppe, Philippe Manoury, Robin Minard, Wolfgang Mitterer, Yoshiaki Onishi, Hannes Seidl, S.L.Á.T.U.R., Simon Steen- Andersen, Jennifer Walshe und anderen.

Das Festival rainy days wurde im Jahre 2000 von einer Gruppe von Musikern und Komponisten um Claude Lenners und Guy Frisch ins Leben gerufen mit dem doppelten Ziel, die luxemburgische Neue Musik-Szene nach außen hin sichtbar zu machen und das internationale Geschehen in diesem Bereich in Luxemburg zu präsentieren. In den 18 Festivaljahrgängen bis zur aktuellen Ausgabe legten die rainy days eine beachtliche Entwicklung zurück, dank derer das Festival heute europaweit hoch angesehen ist. Dabei ist es seinem Gründungsgedanken treu geblieben: Jahr für Jahr sind bei den rainy days international anerkannte Künstler zu Gast, um spannende und visionäre Projekte zu präsentieren. Zugleich zeigt es das aktuelle Musikschaffen aus der Region. Von 2005 bis 2016 wurde das Festival von Bernhard Günther geleitet. Seit dieser Saison ist Lydia Rilling, seit 2016 Chefdramaturgin der Philharmonie, Künstlerische Leiterin des Festivals.