Foto: Karl Marx Ausstellung Trier

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Wilde Lieder in Trier

Die Gewinner des international ausgeschriebenen Kompositionswettbewerbes „Wilde Lieder Marx Music“ anlässlich der Karl Marx Ausstellung in Trier stehen fest.

Die Gewinner des international ausgeschriebenen Kompositionswettbewerbes „Wilde Lieder Marx Music“ stehen fest und wurden von Bundesjustizministerin Katarina Barley und dem Oberbürgermeister der Stadt Trier Wolfram Leibe sowie Stephan Meier (Künstlerischer Leiter der Birmingham New Music Group und des Kompositionswettbewerbes) und Rudolf Hahn (Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Jubiläumsprogramms des Karl Marx Jahres in Trier e.V.) in Trier bekannt gegeben.

Rund 70 Musikerinnen und Musiker aus 16 Ländern reichten in den vergangenen Monaten Partituren ein, die Marx‘ Leben, seine Erkenntnisse oder ihre Zukunftsperspektiven reflektieren. Der Preis wurde anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx von dem Verein zur Förderung des Jubiläumsprogramms des Karl-Marx-Jahres in Trier gemeinsam mit der Birmingham Contemporary Music Group ausgelobt. Die Jury wählte acht Beiträge von neun Komponisten in insgesamt drei Kategorien aus. Die Stücke der Prämierten werden bei der Preisverleihung am 1. und 2. September in Trier uraufgeführt. Hier werden auch die Platzierungen sowie die entsprechenden Preisgelder bekannt gegeben. Der Preis ist mit insgesamt 16.250 Euro dotiert. Die Zweitaufführungen finden in Birmingham am 4. September statt.

In der Kategorie Ensemble gewannen Cecilia Arditto (z.Zt. Amsterdam/ Niederlande), Andrea Portera (z.Zt. Florenz/Italien) und Alistair Zaldua (z.Zt. Canterbury/UK)In der Kategorie Duo überzeugten Geoffrey Gordon (z.Zt. Cedarburg/USA) und Mert Morali (z.Zt. Berlin/Deutschland).

Im Bereich Klangkunst wurden Aldo Brizzi (z.Zt. Alessandria/Italien & Salvador Bahia/Brasilien) und Christophe Lambert (z.Zt. Lyon/Frankreich) sowie Elisabeth Anna Maria Kaiser (z.Zt. Horb am Neckar/Deutschland) & Johannes Winkler (z.Zt. Essen/Deutschland) ausgezeichnet.  

Zudem wurden im Rahmen des Wettbewerbes auch Auftragswerke vergeben, die am 1. und 2. September ebenfalls uraufgeführt werden. Eine Besonderheit ist hier die Klanginstallation von Celeste Oram, die bereits ab dem 16. August im Stadtmuseum Simeonstift präsentiert wird.

Das Projekt „Wilde Lieder“ will Marx’ Gedankenwelt und Ideale musikalisch mit neuem Leben füllen. Das Projekt fußt auf der Überzeugung, dass auch die scheinbar unpolitische Musik mit marxschen Begriffen beschrieben und analysiert werden kann: Als geistige Produktion ist sie Ausdruck des gesellschaftlichen Bewusstseins, das durch die materiellen Lebensverhältnisse bedingt ist und sich mit ihnen ändert. Marx sah das Komponieren als Beispiel „wirklich freier“, d.h. nicht entfremdeter Arbeit. Er widmete einen Artikel in der Rheinischen Zeitung dem Lob der rheinländischen Musikkultur und auch privat spielte die Musik für ihn eine wichtige Rolle. Unter dem Titel „Wilde Lieder“ pries der junge Marx in romantischen Gedichten die Kraft der Musik.

Künstler wie Hanns Eisler oder Bertolt Brecht haben immer wieder daran gearbeitet, Marx’ Werke zu vertonen. Die Jury „Wilde Lieder“ wird vertreten durch Prof. Julian Anderson, Professor für Komposition und “Composer in Residence”, Guildhall School of Music & Drama in London; Prof. Carola Bauckholt, Professorin für Komposition mit Schwerpunkt Zeitgenössisches Musiktheater, Anton Bruckner Privatuniversität in Linz; Prof. Stefan Fricke, Redakteur für Neue Musik/Klangkunst beim Hessischen Rundfunk (hr2–kultur) in Frankfurt am Main; Prof. Franz Martin Olbrisch, Professor für Komposition, Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden; Celeste Oram, Neuseeland/University of California San Diego; Stephan Meier, Artistic Director, Birmingham Contemporary Music Group.

In Zusammenarbeit mit Musikern der Birmingham Contemporary Music Group wurde die multimediale Klanginstallation „work & The Work“ von Celeste Oram (*1990) entwickelt – ein Auftragswerk im Rahmen des Kompositionswettbewerbs „Wilde Lieder“, das im Stadtmuseum Simeonstift präsentiert wird.

Ausgehend von der Komposition „Pierrot lunaire“ von Arnold Schönberg wurde eine mobile App entwickelt, die nach der Aktivierung eine Datenbank mit Klangmaterial entwickelt, indem sie jede Minute eine zweisekündige Aufnahme der aktuellen Umgebungsklänge macht. In Zusammenarbeit mit Musikern der Birmingham Contemporary Music Group wurde ein Pierrot-Ensemble beauftragt, die App während der musikalischen Arbeit einer Woche zu aktivieren – d.h. bei Proben, beim privaten Üben, bei arbeitsbezogenen Verwaltungsaufgaben sowie bei jeder Art körperlicher Bewegung oder Aktivität, die zwecks der Gesundheit der Musiker nötig war.

Die daraus resultierende Datenbank generierte somit eine klangliche Darstellung ihrer wöchentlichen Arbeit aus zufällig gesammelten Datenpunkten. Diese Datenbank zweisekündiger Klangschnappschüsse wurde gemäß dem klangfarblichen Profil der Aufnahmen algorithmisch analysiert, dann zu einer Folge geordnet, die nicht chronologisch, sondern selbstähnlich war: Ähnliche Klänge wurden nacheinander zu Gruppen zusammengeführt. Dieser geordnete, jedoch beliebige Prozess klanglicher Organisation schlägt die Brücke zur seriellen Kompositionstechnik Schönbergs und thematisiert den Arbeitsbegriff in Bezug auf künstlerische Arbeit. Die Installation ist bis einschließlich 2. September während der Öffnungszeiten des Stadtmuseums (dienstags bis sonntags, 10-18 Uhr) im Trier-Kino zu sehen. Anschließend wird das Werk vom 15. bis 23. September im Rahmen des London Design Festival im V&A präsentiert.