Großer Applaus im großen neuen Konzertsaal: gestern Abend in der Elbphilharmonie. Foto: Michael Zapf

Großer Applaus im großen neuen Konzertsaal: gestern Abend in der Elbphilharmonie. Foto: Michael Zapf

Willkommen in der Normalität!

Die Beschreibungen der Akustik in der neuen Elbphilharmonie gehen teilweise weit auseinander. Doch das wird den Erfolg des neuen Konzerthauses (hoffentlich) nicht schmälern.

Mehr als zwei Millionen Zuschauer an den Bildschirmen (laut Quotenermittlungshochrechnung), jede Menge TV-Promis, politische Schwergewichte und 500 zugeloste Bürger und die Solisten Philippe Jaroussky, Bryn Terfel, Pavol Breslik, Wibke Lehmkuhl und Hanna Elisabeth Müller und das Hausorchester unter Thomas Hengelbrock und viel Musik durch die Jahrhunderte zwischen Praetorius und Rihm: Endlich ist sie eröffnet, die Elbphilharmonie. Wird sie weiter liebevoll "Elphi" (sprich: Elfi) bleiben oder wird sie doch eines Tages zum Elbphi (sprich: Elb-Vieh)?

Die mit dem Eröffnungskonzert entstandene Diskussion um den Saal wird wohl auf Dauer nur derjenige sinnvoll mitgestalten können, der drin war und dort ein Orchesterkonzert gehört hat. Und das wird für den Musikfreund, der noch keine Karte für diese Saison hat, sehr schwer, denn wo auch immer man hinklickt im Konzertprogramm der neuen Elbphilharmonie, ist "ausverkauft" zu lesen. Natürlich wird die Diskussion um die unfassbare Kostensteigerung auf knapp 800 Millionen Euro eines Tages abebben. In Bonn zum Beispiel sehen diejenigen, die ein neues Beethoven-Festspielhaus statt der miefigen Beethovenhalle wollten, schon jetzt die Elbphilharmonie als Beleg dafür, welche Attraktion ein neuer Konzertsaal entfalten kann. Stimmt ja auch. Und die Kölner werden sich auch noch umsehen, wenn in einigen Jahren (2019?) ihre 50er Jahre Oper für eine halbe Milliarde Euro saniert sein wird und genau so vor ihnen steht, wie zu Adenauers Zeiten.

Ganz gleich also, wie der eigene Eindruck eines glücklichen Tages des Kartenbesitzes sein wird, von der Akustik und dem ganzen Drumherum, das wohl durchgehend gefiel: Mit der Elbphilharmonie hat die klassische Musik ein neues Zugpferd. Das wird den Karren der Hochkultur nicht alleine aus dem Dreck ziehen können, in den die Bildungsnotstandsrepublik und ihre vielfach separat-ignoranten Landeskultüsse sie gesteuert haben. Aber die Elbphilharmonie ist Gegenstand der öffentlichen Wahrnehnung und Auseinandersetzung. Und genau da gehört die klassische Musik hin.