Wichtige Adresse für den Jazz in NRW: Das Grillo-Theater in Essen. Foto: Bernadette Grimmenstein

Wichtige Adresse für den Jazz in NRW: Das Grillo-Theater in Essen. Foto: Bernadette Grimmenstein

"Wollen keine Taxifahrer ausbilden"

Let's talk about Jazz: Die NRW-Landesregierung bat Jazz-Sachverständige zum Austausch. Die legten dar, was der Jazz in NRW braucht, um mehr Gehör zu finden.

 Im Frühjahr ist die Studie des nrwjazz e.V. über die Situation des Jazz in NRW veröffentlicht worden. Das Ergebnis kurzgefasst: Jazz macht arm. Jetzt stand das Thema Jazz in der NRW-Landespolitik auf der Tagesordnung.

Neben dem Ausschuss für Kultur und Medien waren Christina Kampmann, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Thomas Behrens, Musikreferent im NRW-Kulturministerium sowie Claudia Nussbauer als Referentin für den Bereich der Kreativwirtschaft zugegen. Zur Gruppe der Eingeladenen gehörten fünf Sachverständige, die es wissen müssen: Der künstlerische Leiter vom Kölner Stadtgarten Reiner Michalke, sein Kollege vom Dortmunder Jazzclub domicil Waldo Riedl, stellvertretend für die Kölner Musikhochschule Prof. Joachim Ullrich, außerdem die Saxofonistin Angelika Niescier sowie Bernd Zimmermann als Geschäftsführer des Vereins nrwjazz e.V. und Mitautor der Studie.

Die vom NRW Wirtschaftsministerium geförderte Studie des nrwjazz e.V. stellt heraus, welche Dimensionen die sogenannte "Nische" Jazz habe. Bernd Zimmermann, Mitautor der Studie wies unter anderem darauf hin, dass die meiste Arbeit rein ehrenamtlich geleistet wird. Dies habe wiederum einen Einfluss auf die Beschäftigungs- und Einkommenssituation der Jazzmusiker. Dies untermauerte Reiner Michalke eindrucksvoll in seinem Redebeitrag, indem er darauf hinwies, das es bei den Spielstätten in NRW gerade 3,5 Stellen gibt, die sich hauptamtlich mit Jazz beschäftigen (Stadtgarten, domicil, Jazz-Schmiede und Bunker Ulmenwall). Zur Verdeutlichung zog Michalke einen Vergleich mit der Stadt Berlin, wo deutlich mehr Anstrengungen vorgenommen werden, um den Jazz in den Vordergrund zu rücken. Dabei stehe Köln in Sachen Jazz der Hauptstadt kaum nach, eher im Gegenteil: Eigentlich sei doch Köln mit seiner zentralen geografischen Lage sowie 30 Spielstätten/Reihen und der Hochschule für Musik und Tanz das eigentliche Jazzzentrum in Deutschland.

Alle Sachverständigen machten deutlich, dass in erster Linie die Spielstätten und Veranstalter eine größere Unterstützung benötigen. Prof. Joachim Ullrich stellt hierzu fest, dass es nicht im Interesse der HfMT sei "Taxifahrer" auszubilden. Und eine konstruktive, nachhaltige Förderung der Musiker setze zu allererst bei einer verbesserten Spielstätten- und Veranstalterförderung an.

Die Szene braucht mehr Vernetzung, damit die kreativen Potenziale entdeckbar werden. Hier gibt es gute Ansätze, aber vieles ist noch verbesserungswürdig. Die anwesenden Politiker waren insbesondere daran interessiert, wie es damit in der Jazzszene NRW bestellt ist. Waldo Riedl verwies in diesem Zusammenhang auf das neue Netzwerk Ruhrbühnen als Vorbild für die Jazzszene. Bernd Zimmermann und Waldo Riedl stellten klar, dass die meisten Veranstalter größte Probleme haben, sich werbemäßig in der Öffentlichkeit durchzusetzen. Da kommt natürlich wieder eine schlechte finanzielle Ausstattung bei den Akteuren ins Spiel.

Vor allem aber müsste das Image des Jazz durch geeignete Kampagnen und Mittel grundsätzlich verbessert werden und in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mehr Aufmerksamkeit in den attraktiven Programmplätzen bekommen. Entgegen anderer Kunstformen habe der Jazz mit dem nrwjazz.net aber bereits eine professionelle Plattform, die inhaltlich ausgebaut und hierfür dringend mit finanziellen Mitteln ausgestattet werden muss.

 

FONO FORUM über die Studie zum Jazz in NRW:

http://www.fonoforum.de/home/artikel/tx_news/im-system-jazz-ist-zu-wenig-geld/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=865e5086d9f449c3a42b8e80bad12f79