Staatsoper Unter den Linden. Foto: Marcus Ebener

Staatsoper Unter den Linden. Foto: Marcus Ebener

Wotan und andere Götter in der Staatsoper

Viel Mozart, zwei komplette Ring-Zyklen und jede Menge Entdeckungen von Barock bis Gegenwart bietet die Staatsoper Unter den Linden in der kommenden Spielzeit.

Besondere Akzente setzen in der neuen Spielzeit sieben Premieren im Großen Haus, das Format LINDEN 21 (mit zwei Uraufführungen, einer Deutschen Erstaufführung sowie zwei Wiederaufnahmen), die zweiten BAROCKTAGE (1. bis 10. November 2019, mit Fokus auf Scarlatti und Purcell) und die 25. Ausgabe der FESTTAGE (4. bis 12. April 2020, mit dem Beginn eines neuen Mozart-Da-Ponte-Zyklusʼ und der zyklischen Aufführung sämtlicher Sinfonien von Beethoven). Dazu bietet das Programm 28 wiederaufgenommene Musiktheaterwerke sowie mehr als 70 Konzerte. Insgesamt präsentiert die Staatsoper Unter den Linden 2019/20 über 300 Veranstaltungen, zudem zahlreiche Projekte der Jungen Staatsoper. Darüber hinaus feiert die Staatskapelle Berlin 2020 ihr 450-jähriges Bestehen: Ein Jubiläum, das in den Spielzeiten 2019/20 sowie 2020/21 im Fokus stehen wird. 

Bei den sieben Premieren der Spielzeit 2019/20 wird es sechs Regie-Hausdebüts geben: Erstmals inszenieren an der Berliner Staatsoper David Bösch, Romeo Castellucci, Damián Szifron (Opernregiedebüt), André Heller (Opernregiedebüt), David McVicar sowie Vincent Huguet. Die siebte Premiere inszeniert Claus Guth, der damit seine sechste Regiearbeit am Haus zeigt. Bei den Premieren von LINDEN 21 werden zudem Letizia Renzini, Pauline Beaulieu und Thom Luz ihr Hausdebüt an der Staatsoper Unter den Linden geben.

Daniel Barenboim wird in der Spielzeit 2019/20 die Eröffnungspremiere von Otto Nicolais Die Lustigen Weiber von Windsor am 3. Oktober in der Regie von David Bösch dirigieren. 1849 an der Berliner Staatsoper (der damaligen Königlichen Hofoper Berlin) uraufgeführt, kehrt das Werk nun mehr als 30 Jahre nach der letzen Inszenierung wieder ans Haus zurück. René Pape gibt als Sir John Falstaff sein Rollendebüt, daneben sind u. a. Michael Volle, Pavol Breslik und Anna Prohaska zu erleben. Das »Falstaff«-Thema wird sich auch im weiteren Programm wiederfinden, mit der Wiederaufnahme von Verdis Falstaff sowie beim I. Abonnementkonzert mit Elgars Symphonischer Studie »Falstaff«.

Der argentinische Filmregisseur Damián Szifron, der mit seinem Film »Wild Tales – Jeder dreht mal durch« 2015 für den Oscar als Bester fremdsprachiger Film nominiert wurde, wird in der kommenden Spielzeit sein Opernregiedebüt geben. Gemeinsam mit Daniel Barenboim wird er Camille Saint-Saënsʼ Samson et Dalila (24. November 2019) erarbeiten. In den Titelrollen sind Brandon Jovanovich, der damit sein Haus- und Rollendebüt gibt, sowie Elīna Garanča zu erleben.

Die Festtage-Premiere, unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim, wird am 5. April 2020 Mozarts Cosi fan tutte sein. Diese Neuproduktion bildet den Auftakt eines Mozart-Da-Ponte-Zyklusʼ zu den Festtagen 2020 bis 2022, den Daniel Barenboim gemeinsam mit dem französischen Regisseur Vincent Huguet realisiert. Zum Ensemble zählen Elsa Dreisig (Rollendebüt Fiordiligi), Marianne Crebassa (Rollendebüt Dorabella), Paolo Fanale (Ferrando), Gyula Orendt (Guglielmo), Ferruccio Furlanetto (Don Alfonso) und Barbara Frittoli (Rollendebüt Despina).

Darüber hinaus wird Daniel Barenboim zwei Mal Wagners Ring-Tetralogie dirigieren, der in der Regie von Guy Cassiers zum ersten Mal Unter den Linden zu erleben ist, sowie die Wiederaufnahmen von Verdis Falstaff (Januar / Februar 2020) und Bizets Carmen (März 2020), die in der Regie von Martin Kušej nach neun Jahren wieder zu sehen ist. Im Konzertprogramm wird der Generalmusikdirektor vier Abonnementkonzerte der Staatskapelle Berlin gestalten. Des Weiteren dirigiert er 2019/20 den Zyklus sämtlicher Beethoven-Sinfonien während der Festtage, die Konzerte zum Jahreswechsel und ein Gastspiel der Staatskapelle Berlin in Paris.

Neben Cosi fan tutte wird es in der kommenden Spielzeit mit Idomeneo (22. März 2020) eine weitere Mozart-Neuproduktion geben, dirigiert von Simon Rattle, der diese Oper zu seinen Lieblingswerken zählt. Erstmals arbeitet Rattle dabei mit Regisseur David McVicar zusammen. Protagonisten sind u. a. Andrew Staples (Idomeneo), Magdalena Kožená (Idamante), Anna Prohaska (Rollendebüt Ilia) und Olga Peretyatko (Rollendebüt Elettra). Ein verstärkter Fokus auf Mozart zeigt sich auch im weiteren Programm mit den Wiederaufnahmen von Die Zauberflöte, Don Giovanni, Le Nozze di Figaro sowie im Konzert- und Jugendprogramm.

Mit Richard Straussʼ Der Rosenkavalier (9. Februar 2020) wird der Multimediakünstler André Heller seine erste Oper inszenieren. Die musikalische Leitung übernimmt der Ehrendirigent der Staatskapelle Berlin, Zubin Mehta. Als Kostümbildner konnte der österreichische Modedesigner Arthur Arbesser gewonnen werden.  René Pape gibt hierbei sein Rollendebüt als Baron Ochs auf Lerchenau, ihm zur Seite stehen u. a. Camilla Nylund (Feldmarschallin), Michèle Losier (Rollendebüt Octavian), Roman Trekel (Herr von Faninal) und Nadine Sierra (Rollendebüt Sophie). Dem Komponisten und Dirigenten Richard Strauss, der 20 Jahre als Hofkapellmeister und GMD an der Berliner Hofoper tätig war, ist in der Spielzeit 2019/20 ein Schwerpunkt gewidmet, der sich neben der Neuproduktion von Der Rosenkavalier in der Wiederaufnahme von Salome im Konzertprogramm, insbesondere in der Kammermusik, fortsetzt. Mit Chowanschtschina von Modest Mussorgsky wird eine Oper des russischen Repertoires gespielt, die erstmals seit 1958 wieder an der Staatsoper Unter den Linden Premiere feiert.

Vladimir Jurowski, Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin und künftiger GMD der Bayerischen Staatsoper, wird mit dieser Neuproduktion sein Hausdebüt geben und die Staatskapelle Berlin zum ersten Mal dirigieren. Regie führt Claus Guth (7. Juni 2020), mit u. a. Mika Kares (Rollendebüt Fürst Iwan Chowanski), Sergey Skorokhodov (Fürst Andrei Chowanski), John Daszak (Fürst Wassili Golizyn), Vladislav Sulimsky (Bojar Schaklowity), Alexey Tikhomirov (Dosifei), Marina Prudenskaya (Marfa), Andrea Danková (Susanna), Gerhard Siegel (Schreiber) und Anna Samuil (Emma). Il primo omicidio von Alessandro Scarlatti ist die Barocktage-Premiere am 1. November 2019. René Jacobs dirigiert damit seine 27. Neuproduktion am Haus. Diesmal leitet er das belgische Ensemble B'rock Orchestra, das erstmals an der Staatsoper Unter den Linden zu erleben ist. Für Regisseur Romeo Castellucci ist es ein Berliner Operndebüt.

Die Barocktage finden 2019 vom 1. bis 10. November statt und widmen sich in der zweiten Ausgabe Alessandro Scarlatti und Henry Purcell im Spannungsfeld zwischen dem italienischen und dem englischen Barock. Neben der Premiere sind die Wiederaufnahmen von Purcells Dido & Aeneas und King Arthur zu erleben sowie die LINDEN 21-Uraufführung Love, you son of a bitch – eine Stückentwicklung von Letizia Renzini, bei der Werke von Alessandro und Domenico Scarlatti mit Live-Elektronik verschmelzen (Uraufführung: 25. Oktober, weitere Vorstellungen im Oktober sowie während der Barocktage).

Das weitere Programm umfasst einen Round table sowie 16 Konzerte, die sich ebenfalls schwerpunktmäßig den beiden Komponisten Scarlatti und Purcell widmen. Zu den Gästen des Festivals zählen u. a. die Akademie für Alte Musik unter Fabio Biondi mit Raffaella Milanesi, Roberta Invernizzi, Sonia Prina und Aaron Sheehan als Solisten, Le Concert des Nations unter Jordi Savall, der RIAS Kammerchor unter Robert Hollingworth, The Talis Scholars unter Peter Phillips, die Accademia Bizantina unter Ottavio Dantone mit Serena Sáenz Molinero und Delphine Galou als Solistinnen, sowie Christian Zacharias, Dorothee Oberlinger, Margret Köll und Jean Rondeau.

LINDEN 21 umfasst die Produktionen und Projekte des Spielplans, die den vielfältigen Formen zeitgenössischen Musiktheaters nachspüren. 2019/20 wird es dabei zwei Uraufführungen, eine Deutsche Erstaufführung sowie zwei Wiederaufnahmen – Usher von Claude Debussy / Annelies Van Parys in der Regie von Philipp Quesne sowie Himmelerde, ein Maskenmusiktheater von Familie Flöz und der Musicbanda Franui – geben.

Die erste LINDEN 21-Produktion der neuen Spielzeit wird am 25. Oktober 2019 im Alten Orchesterprobensaal die Uraufführung von Love, you son of a bitch eine Stückentwicklung von Letizia Renzini, sein. Arbeiten von ihr waren u. a. bei der Biennale Venedig, im Tanzeshus Stockholm, dem Royal Opera House London und der Philharmonie Luxembourg zu sehen. Obwohl Hans Werner Henze und Hans Magnus Enzensberger viel über eine kleine Fassung ihrer 1974 uraufgeführten Fernsehoper La Cubana diskutierten, kam es vor Henzes Tod 2012 nicht zur Realisierung dieses Projekts.

Mit La piccola cubana (Deutsche Erstaufführung: 28. April 2020, Alter Orchesterprobensaal) kommt die kammermusikalische Fassung dieses Werks – um die Varietésängerin Rachel vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche im vorrevolutionären Kuba – in einer Einrichtung von Jobst Liebrecht, unter der musikalischen Leitung von Peter Ruzicka und in der Regie von Pauline Beaulieu erstmals zur Aufführung.

Thom Luz, der in diesem Jahr bereits zum dritten Mal zum Theatertreffen eingeladen ist und 2014 von Theater heute zum Nachwuchsregisseur des Jahres gewählt wurde, ist ein Grenzgänger zwischen Sprech- und Musiktheater. Gemeinsam mit dem Musiker und Arrangeur Mathias Weibel hat Luz in den letzten Jahren eine Theatersprache entwickelt, die Stille, Bewegung, Text und Musik zu dichten, atmosphärischen Raumkompositionen verbindet. Die 1682 von dem Musiker und Musiktheoretiker Andreas Werckmeister formulierten Grundlagen zur wohltemperierten Klavierstimmung werden zum Ausgangspunkt ihrer ersten Arbeit an der Staatsoper, in der sie sich unter dem Titel Werckmeister Harmonien mit dem Schaffen und der Auflösung von Ordnungen beschäftigen und nach einer Wahrheit im Zweifel suchen, im Raum zwischen den schwarzen und weißen Tasten (Uraufführung: 19. Juni 2020, Apollosaal).