Komponistin Gedizlioglu. Foto: Manu Theobald

Komponistin Gedizlioglu. Foto: Manu Theobald

Zeynep Gedizlioğlu erhält Künstlerinnenpreis 2018

Der diesjährige Musikpreis der Stadt Heidelberg wird an die türkische Komponistin Zeynep Gedizlioğlu vergeben. Der Heidelberger Künstlerinnenpreis ist der einzige seiner Art, mit dem ausschließlich Komponistinnen für ihr Werk ausgezeichnet werden.

Zu seinem zwanzigjährigen Bestehen 2007 wurde der Heidelberger Künstlerinnenpreis neu positioniert und in Verbindung mit der Aufführung eines symphonischen Werkes verliehen. Den einzigartigen Preis rief 1987 die Sängerin Roswitha Sperber gemeinsam mit der Landesregierung ins Leben. Ziel dieser Auszeichnung war und ist es, das Schaffen zeitgenössischer Komponistinnen zu würdigen. Über die Vergabe des Preises entscheidet eine Jury, die sich aus Persönlichkeiten mit fachlichen Kompetenzen auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik zusammensetzt und die vom Oberbürgermeister und Juryvorsitzenden bestimmt wird. Mitglieder von Amts wegen sind der Intendant des Theaters und Orchesters Heidelberg, Holger Schultze, der Generalmusikdirektor der Stadt Heidelberg, Elias Grandy, sowie der Konzertdramaturg des Philharmonischen Orchesters, Stefan Klawitter.

Weitere Mitglieder sind Frank Kämpfer (Redakteur für Neue Musik, Deutschlandfunk), der Musikwissenschaftler und Publizist Gerhard R. Koch (FAZ), Prof. Walter Nussbaum (KlangForum Heidelberg) sowie Heike Hoffmann (Leiterin der Schwetzinger SWR Festspiele).

Unter den bisherigen Preisträgerinnen finden sich namhafte Künstlerinnen wie Adriana Hölszky, Sofia Gubaidulina, Olga Neuwirth, Kaija Saariaho, Isabel Mundry und Jamilia Jazylbekova. Zuletzt erhielten Lucia Ronchetti (2014), Iris ter Schiphorst (2015) und Chaya Czernowin (2016) diese Auszeichnung.  

Aus der Jurybegründung für die diesjährige Preisvergabe: „... Zeynep Gedizlioğlu wuchs in Izmir und später in Istanbul in der Türkei auf. Sie studierte Komposition in Istanbul, Saarbrücken, Straßburg und Karlsruhe. Zeynep Gedizlioğlus musikalisches Schaffen besticht durch Fantasie und außergewöhnliches handwerkliches Können sowie durch Mut zu unkonventionellen Ausdrucksweisen. Persönliche Erfahrungen und politischer Protest finden in ihrer Musik Widerhall. Ebenso ist ihr Werk gekennzeichnet durch klangliche Verdichtungen und Überlagerungen. Sie stehen für Widerstand gegen ästhetische Homogenität und Glättung von Differenz. Der Heidelberger Künstlerinnenpreis 2018 zeichnet eine Komponistin aus, deren Werk einen kompromisslosen, transkulturellen Stil etabliert, der, mit Präzision und Konzentration auf das Detail gearbeitet, als Erweiterung und Bereicherung der zeitgenössischen Musiksprache zu hören ist. ..."

Die Preisübergabe erfolgt durch den Kulturbürgermeister der Stadt Heidelberg Dr. Gerner in Anwesenheit des Intendanten Holger Schultze. Der Deutschlandfunk als langjähriger Medienpartner zeichnet das Preisträgerinnen-Konzert auf und sendet es gemeinsam mit einem Feature über die ausgezeichnete Komponistin bundesweit zeitversetzt. Das Preisgeld beträgt 5.000 Euro. Die Preisskulptur „Ewige Sehnsucht nach Vollkommenheit" aus der Serie „Gebrochenes Ganzes" des Heidelberger Bildhauers Günter Braun wurde von der Initiatorin Roswitha Sperber gestiftet. Die Laudatio hält der Musikjournalist Dr. Egbert Hiller.

Die Komponistin wurde 1977 in Izmir/Türkei geboren. Sie studierte Komposition bei Cengiz Tanc in Istanbul, bei Theo Brandmüller in Saarbrücken, bei Ivan Fedele in Straßburg sowie in Karlsruhe bei Wolfgang Rihm. Von 2010 bis 2011 absolvierte sie den CURSUS 1 am Institut für Musik und Akustik, IRCAM, in Paris. Ihre Kompositionen wurden bei internationalen Festivals wie Musica Strasbourg, ISCM World New Music Days, Maerz Musik, Beethovenfest Bonn, Eclat Stuttgart, Wien Modern, Salzburger Festspiele, Wittener Tage für Neue Kammermusik, musikprotokoll-Graz und cresc...Biennale für Moderne Musik aufgeführt. Im Radio erklangen ihre Werke in Liveübertragungen beim SR2 Kultur Radio, Acik Radyo Istanbul, Radio France Musique, SWR2, SRF2 Kultur, hr2 Kultur, ORF1, Deutschlandradio Kultur und vielen anderen. Einige ihrer Werke wurden auf CDs veröffentlicht, unter anderem die Porträt-CD Zeynep Gedizlioğlu: Kesik (col legno) gefördert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung, die ihre zwischen 2005 und 2010 entstandene Ensemblemusik präsentiert. Zeynep Gedizlioğlu war Stipendiatin des Kulturministeriums des Saarlandes (2004), erhielt das Landesgraduiertenstipendium (2005), das Wolfgang-Rihm-Stipendium der Hoepfner Stiftung (2008) sowie das Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg 2010. 2005 gewann sie den Förderpreis des Franz-Liszt-Stipendiums in Weimar.  2012 erhielt Zeynep Gedizlioğlu den Komponistenpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung und 2014 den „Composer of the Year" Preis des 5. Donizetti Classical Music Awards in Istanbul. 2015 wurde sie für die Porträt-CD-Reihe Edition Zeitgenössische Musik des Deutschen Musikrats ausgewählt. Zuletzt ist sie für den Deutschen Musikautorenpreis 2016 in der Sparte „Musik für Ensemble" nominiert worden. Zurzeit lebt Zeynep Gedizlioğlu als freischaffende Komponistin in Berlin.