Zum Tod von Cecil Taylor

"Total Free" war der Artikel im FONO FORUM 8/2017 zu einer Ausstellung über das Label FMP überschrieben. Die 11-CD-Box des Labels mit Cecil Taylor - mit kompromisslos schwarzem Cover - ist ein Meilenstein des Labels und des Free Jazz insgesamt.

Leute, die alles in Frage stellen und das, was andere für schön halten ablehnen, machen sich selten beliebt. Cecil Taylor war so jemand. Er war ein Musiker, der den Jazz als Material nahm, um ihn in einer Weise zuzuspitzen, die der Musik alles Genehme, Geschmeidige nahm. Nicht einmal in einen Rhythmus konnte man sich fallen lassen, Taylor war gnadenlos zur Musik und zu seinen Hörern. Es gab nur die Möglichkeit, Offenheit zu üben. Oder zwischendurch gedanklich wegzutauchen, weil er viel, oft zu viel verlangte. Die gleichsam biegsame wie kraftvolle Physis, mit der er sich von den schroffen Klippen seines ästhetischen Standpunktes in die wilden Fluten der 88 zur Verfügung stehenden Töne der Tastatur stürzte, beeindruckte. Es konnte aber auch ratlos machen, wie unbarmherzig er die Klangwelt sah.

Was ist Musik? Diese banale und in der Anwendung auf das eigene Leben doch alles entscheidende Frage stellte sich bei Cecil Taylor immer. Er nahm sich die Freiheit, seine Musik zu machen, sie seinen Hörern zuzumuten. Ohne Rücksicht auf Verluste, was angesichts der Umstände, in denen Taylor lange leben musste, auch beinhart materiell gemeint ist.

Geboren 1929 in New York fiel seine musikalische Radikalisierung ungefähr in jene Zeit, als Ornette Coleman zum Mentor des Free Jazz gekürt wurde. Dabei verwies er selber immer wieder auf die Traditionslinie, in der er sich sah und zu er u. a. Duke Ellington, Miles Davis und Thelonious Monk zählte. Indem Ekkehard Jost Cecil Taylor das Verhältnis von Spannung und Stocken als zentrales Schaffenscharakteristikum zuschrieb, so ist dies eine gute Erklärung dafür, warum viele Hörer Taylors Musik angespannt machen dürfte, eben weil diese Musik kaum Entspannung kennt. Das Klavier als Trommel mit 88 Tasten. Taylor interagierte von dort aus nicht nur mit vielen musikalischen Partnern, sondern später auch mit theatralischen Ansätzen. In Erinnerung bleiben wird sein u. a. durch die 11 FMP-CDs dokumentierte Konsequenz, den eigenen Willen an der Kunst abzuarbeiten. Mit Cecil Taylor verliert die Musikwelt einen Künstler, dessen Energie den Rahmen des Fassbaren sprengte.