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16.10.2015 12:20 Alter: 3 yrs

"Unsere Oper ist ein Dorf"


Schlingensief hatte immer das Ganze im Blick - auch bei seiner Parsifal-Inszenierung in Bayreuth. Foto: Bayreuther Festspiele/Jochen Quast

 

Die Berliner Akademie der Künste ehrt Christoph Schlingensief posthum mit dem Konrad-Wolf-Preis für das Operndorf in Burkina Faso. Der Preis wird von Aino Laberenz in Empfang genommen, der Witwe Christoph Schlingensiefs, die das Operndorf fortführt.

In der Jurybegründung der Juroren Alexander Horwath, Naum Kleeman und Georg Seeßlen heißt es: „Konrad Wolf war ein politischer Filmemacher. Für ihn, von einem großen, skeptischen Projekt des Humanismus inspiriert, war es nicht nur wichtig, was Filme zeigen, sondern auch, was sie bewirken. Daher soll der Preis in seiner geistigen Dimension an einen Filmkünstler gehen, der sich seinen autobiographischen Eigensinn und seine politische Unabhängigkeit nie austreiben ließ: Christoph Schlingensief. In seiner materiellen Dimension soll er an das Operndorf in Burkina Faso gehen und zwar an die dort projektierte Unterstützung für Jugendliche, sich das Cineastische als Ausdrucksmittel anzueignen, und wir hoffen, dabei Konrad Wolf verpflichtet, auf Poesie und Veränderungskraft des afrikanischen Kinos der Zukunft.“

Seit 2008 arbeitete Christoph Schlingensief (1960-2010) an der Idee für ein Operndorf in Afrika, das er als kulturelle Begegnungs- und Experimentierstätte verstanden wissen wollte. 2010 wurde unweit von Ougadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, der Grundstein gelegt. Im Oktober 2011, Christoph Schlingensief hat dieses Ereignis nicht mehr erleben können, wurde die Grundschule des Operndorfs eröffnet, die neben regulären Unterrichtsfächern auch Film-, Kunst- und Musikklassen anbietet. „Unsere Oper ist ein Dorf, ein sozialer Klangkörper, eine Soziale Plastik. In diesem Dorf ist das Leben die Kunst.“ (Christoph Schlingensief)

Benannt nach dem Filmregisseur und langjährigen Präsidenten der Akademie der Künste der DDR Konrad Wolf (1925–1982), wird der mit 5.000 Euro dotierte Konrad-Wolf-Preis jährlich für herausragende künstlerische Leistungen auf den Gebieten der darstellenden Kunst sowie der Film- und Medienkunst vergeben. Die Preisträger der letzten Jahre waren Avi Mograbi (2009), Alvis Hermanis (2010), Béla Tarr (2011), Meg Stuart (2012), Ostkreuz – Agentur der Fotografen (2013) und Jürgen Holtz (2014).