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21.10.2015 14:46 Alter: 3 yrs

Privater Luxus statt öffentlicher Kultur


Der Landesmusikrat kritisiert den Verlust des Eltzer Hofes für die öffentliche Kultur. Bild: Landesmusikrat

Der Landesmusikrat Rheinland-Pfalz bedauert zutiefst, dass sich die Landesregierung entschlossen hat, den Eltzer Hof in Mainz, ein barockes Stadtpalais aus dem 18. Jahrhundert, der kulturellen Nutzung endgültig zu entziehen.

Das historische Architekturensemble, 1742/43 erbaut, hat eine wechselvolle Geschichte. Nach der Zerstörung durch britische Bomber 1942 wurde der Eltzer Hof zwischen 1965 und 1970 wieder mit einem Konzertsaal für die „Mainzer Liedertafel“ aufgebaut. Rund 1.000 Besucher fasste der Saal und wurde auf vielfältige Weise genutzt, unter anderem für die Mainzer Fastnacht. 2004 wurde aufgrund von Asbestbelastung die Nutzung des Konzerthauses eingestellt. Den 2008 ausgeschriebenen Architekturwettbewerb für ein multifunktionales Kulturzentrum gewann ein Kasseler Architekturbüro, doch bauen durfte es nicht, weil der Landesregierung damals 22 Millionen Euro für dieses repräsentative Kulturprojekt als zu teuer erschienen. Wie nun verlautete, soll das Palais an einen Investor veräußert werden, der es zu einer Anlage mit Luxus-Immobilien umgestalten wird.

Peter Stieber, Präsident des Landesmusikrats Rheinland-Pfalz sieht in dieser Entscheidung einen kulturpolitischen Sündenfall der leider bereits Vorläufer hat: „Wieder wird ein historisches Gebäude der Stadt der ursprünglich kulturellen Nutzung entzogen. Es kann nicht sein, dass die Schaffung von Luxusimmobilien eine höhere Priorität genießt als die Bewahrung des kulturellen Erbes. Und schon gar nicht ist hinnehmbar, dass ein leitender Mitarbeiter des Finanzministeriums öffentlich erklärt: ‚der Betrieb einer Kulturfläche gehöre nicht zu den Aufgaben des Landes‘.

Das Land beraubt sich durch diese Entscheidung zum wiederholten Male der Chance einen herausragenden kulturpolitischen Akzent zu setzen, der bitter nötig wäre. Mainz wird also auch weiterhin auf einen Konzertsaal, der diesen Namen auch verdient, warten müssen.“