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07.03.2016 11:23 Alter: 2 yrs

Pionier des Originalklangs gestorben


Nikolaus Harnoncourt war mehrmals Titelthema des FONO FORUM gewesen, zuletzt im November 2014. (Bildcredit: Marco Borggreve)

Nikolaus Harnoncourt ist tot. Der österreichische Dirigent, der unsere Auffassungen von großen Werken der Musikgeschichte neu prägte wie kaum ein Zweiter, starb vergangenen Samstag im Alter von 86 Jahren in Zürich. Harnoncourt begann als Cellist bei den Wiener Symphonikern unter Herbert von Karajan. Schon früh erforschte er Spielweise und -technik historischer Instrumente. 1953 gründete er das Ensemble Concentus Musicus Wien, das Alte Musik auf historischen Instrumenten spielt. Aber auch in Essays und Aufsätzen, gesammelt im Buch „Musik als Klangrede: Wege zu einem neuen Musikverständnis“, setzte er sich für die sogenannte Historische Aufführungspraxis ein. In späteren Jahren dirigierte er mehr und mehr auch traditionelle Sinfonieorchester und erschloss sich dabei zunehmend die Musik des 19. und 20. Jahrhundert. 2001 und 2003 leitete er das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Wer nun aber glaubte, der große Alte sei domestiziert, hatte sich getäuscht. Bis zuletzt konnte er kompromisslos die Ecken und Kanten von großen Werken herausarbeiten, so bei seiner Aufnahme der Beethoven-Sinfonien Nr. 4 und 5 gemeinsam mit dem Concentus Musicus Wien (siehe Rezension im aktuellen FONO FORUM 3/16). Sie wurde sein Vermächtnis.