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29.10.2012 10:53 Alter: 1 yrs

Hans Werner Henze gestorben


Hans Werner Henze

Hans Werner Henze

Er war einer der letzten unter den ganz Großen: der Komponist Hans Werner Henze, der nun im Alter von 86 Jahren gestorben ist. Schon als junger Mann war es dem gebürtigen Gütersloher gelungen, sich in einem von der musikalischen Nachkriegsmoderne dominierten Umfeld als Komponist zu behaupten – auch wenn er sich bereits früh zu traditionellen Formen und Gattungen bekannte, Opern, Ballette und Sinfonien schrieb, mit denen er ein internationales Publikum eroberte. Unter der Sonne Italiens, wo er sich in den fünfziger Jahren niederließ und bis zu seinem Tod lebte, schuf der Meister einen Großteil seiner mehr als 40 Bühnenwerke und wurde zu einem der erfolgreichsten und wichtigsten Komponisten der Gegenwart. Hans Werner Henze, der sich weder durch Anwürfe von konservativer wie progressiver Seite in seinem künstlerischen Schaffen beirren ließ, arbeitete Zeit seines Lebens mit bedeutenden Künstlerfreunden zusammen. So vertonte er Libretti und andere Texte, die Dichter wie H .W. Auden und Chester Kallman („Elegie für junge Liebende“, „Die Bassariden“), Ingeborg Bachmann („Der Prinz von Homburg“, „Der junge Lord“) oder Edward Bond („Wir erreichen den Fluss“, „Die englische Katze“) für ihn geschrieben hatten. Auch politisch zeigte sich der vom Gräuel des Dritten Reichs geprägte Komponist aktiv, was sich insbesondere in den Werken der sechziger und siebziger Jahren widerspiegelt, etwa in dem deutlich links gerichteten Oratorium „Das Floß der Medusa“, dessen Uraufführung 1968 in Hamburg zu einem Skandal führte. Sein Engagement im Musikleben schlug sich in der Gründung von Festivals wie dem Cantiere Internazionale d’Arte in Montepulciano (1976) oder der Münchener Biennale für zeitgenössisches Musiktheater, die er 1988 ins Leben rief. Die Semperoper in Dresden hat in dieser Spielzeit einen Schwerpunkt mit Werken Hans Werner Henzes in den Spielplan genommen. Hier in Dresden starb der Komponist am 27. Oktober. Im Monat zuvor hatte man hier seine Anti-Kriegsoper „Wir erreichen den Fluss“ in seiner Anwesenheit aufgeführt. Lesen Sie einen ausführlichen Nachruf auf Hans Werner Henze in unserer Dezember-Ausgabe.