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08.11.2012 10:59 Alter: 1 yrs

Elliott Carter mit 103 Jahren gestorben


Elliott Carter

Elliott Carter

Elliott Carter war einer der bedeutendsten amerikanischen Komponisten der Moderne. Sein Ziel war es, eine Musik zu komponieren, die gleichermaßen europäisch und amerikanisch, klassisch und modern ist, letztlich führten all diese Einflüsse zu einem ganz eigenen, unverwechselbaren Personalstil. Typisch für seine Musiksprache war, dass er Elemente des Neoklassizismus mit der Schönberg’schen Zwölftontechnik kombinierte und verschiedene Tempi gleichzeitig gegeneinander setzte. Außerdem entwickelte er eine spezielle rhythmische Technik der „metrischen Modulation“. Diese Schreibweisen sorgten für spannungsreiche lebendigeWerke, stellten die ausführenden Ensembles allerdings häufig vor eminente Schwierigkeiten.

 

Elliott Carter wurde am 11. Dezember 1908 als Sohn eines wohlhabenden Textilhändlers in New York geboren. Als er 1924 in der Carnegie Hall Strawinskys skandalträchtiges „Sacre du printemps“ erlebte, war ihm klar, dass auch er sein Leben der Musik widmen würde. Bereits an der High School wurde er von Charles Ives gefördert, anschließend studierte er Musik, Philosophie und Literaturgeschichte an der berühmten Harvard University sowie an der Longy School of Music, dort waren unter anderen Walter Piston und Gustav Holst seine Lehrer; den letzten kompositorischen Schliff holte sich Carter bei der legendären Nadia Boulanger in Paris.

 

Seine ersten Werke waren noch stark vom Neoklassizimus Strawinskys geprägt, Carter schrieb sie für eine reisende Ballett-Truppe, deren Leiter er von 1937 bis 1939 war. Sein eigentlicher Personalstil kristallisierte sich erst in den fünfziger Jahren heraus, etwa in den ersten beiden Streichquartetten, den „Orchester Variations“ und dem Doppelkonzert für Cembalo und Klavier. Seine komplexen Kompositionen brachten Carter internationale Anerkennung und zwei Pulitzerpreise ein, später wurde er auch mit dem Ernst-von-Siemens-Musikpreis und der National Medal of Arts ausgezeichnet. Erst im Alter von beinahe 90 Jahren komponierte Carter auf Anregung von Daniel Barenboim seine erste Oper „What next?“, die im September 1999 an der Berliner Staatsoper Unter den Linden unter der Regie von Nicolas Brieger und mit Barenboim am Pult ihre erfolgreiche Uraufführung erlebte. Am 5. November 2012 starb Elliott Carter im Alter von 103 Jahren in New York.