In the mood

Michael Gees, der feinfühlige Liedbe ­glei ­ter und Komponist, schlägt in dieser Neuproduktion eine Brücke zwischen den beiden Polen seines Musikerdaseins, dem kreativen und dem rekreativen: Er hat sich aus dem Klavierwerk von Erik Satie ein Dutzend mehr oder weniger bekannte Ti ­tel ausgesucht, trägt dieses Pro ­gramm aber nicht »pur« texttreu vor, sondern macht die Stücke zum Ausgangs ­punkt veritabler eigener Stegreif-Fantasien. Sei ­ne »ImproviSa ­ties«, wie er sie wortwitzig nennt, sind gebundene, »anverwandelnde« Im ­pro ­ ­vi ­sa ­tio ­nen, die motivisch und stimmungs ­mäßig auf manchmal gewundenen Pfaden zu den Vorlagen hinführen oder sie fortspinnen.  

Einem Musiker bei einem solchen Auf ­bruch ins Unerhörte zu folgen kann zu einem überraschenden und spannungsvollen Event werden. Darf man dem spon ­tanen Schöpfungsakt allerdings nicht live im Konzert beiwohnen, sondern nur post festum über eine Tonauf ­zeich ­nung, wird sich der prickelnde Reiz des Einmaligen, Unwiederholbaren und Un ­korrigier ­ba ­ren wohl kaum in gleicher Stärke einstellen. Aber Gees´ zwölf Bei ­spie ­le des »Wei ­ter ­denkens« von Musik des Pariser Ori ­ginalgenies der Debussy-Zeit lohnen die Begegnung via CD durchaus. Es sind ihm fantasievoll schweifende, vorwiegend im weich klingenden Piano gehaltene Medi ­ta ­tionen gelungen – lockere, angenehme, oft träumerisch-intime Stim ­mungs ­mu ­siken.

Als Bonus-Track hat Gees, Jahrgang 1953, seinen zwölf Satie-Extempores einen von A bis Z eigenen Beitrag angefügt, den impressionistischen, tremoloschum ­me ­rig untermalten Gesang einer »Nachtigall«. Auf ihn lässt sich am ehesten verzichten.

Ingo Harden