Beachtlicher Bruckner

Der »Ebracher Musiksommer« stellt in der fränkischen Provinz Jahr für Jahr beachtliche Bruckner-Auffüh ­run ­gen auf die Beine, wie diese drei Kon ­zertmitschnitte zeigen. Gerd Schal ­ler, der künstlerische Leiter des Festivals, hat mit seinem aus Mitgliedern Mün ­chener Klangkörper zusammengestellten Hausorchester, der Philharmonie Festiva, emphatische, kräftig profilierte Darstellungen anzubieten.

Was bei seinem Bruckner auffällt, ist der transparente Klang, die Durch ­hör ­barkeit der Polyphonie. Stimmverläufe werden nachvollziehbar, von denen man sonst oft nicht einmal etwas ahnt. Im Scherzo der Vier ­ten treten »Natur ­lau ­te« in den Holz ­blä ­ser ­n unerwartet plastisch, quasi als Kom ­mentar zum Jagdgetön der Hörner hervor. Schal ­ler legt Wert auf ein organisches Flie ­ßen der musikalischen Er ­eig ­nisse. Da sind auch die typisch Bruck ­ner´schen Steigerungen nicht ganz so himmelstürmend, wie man sie kennt. Den ­noch hat dieser Bruckner Ge ­wicht. Man hört es im Adagio der Neun ­ten, das beinahe als Vorwegnahme des musikalischen Expressionismus durch ­ ­gehen könnte: Disparat, vielschichtig, doch vor allem bewegend, herausfordernd nimmt es hier Gestalt an.

Freilich ist in dieser Wiedergabe das Adagio nicht mehr Bruckners Abschied von der Welt. Ihm folgt ein Finale, das Wil ­liam Carragan aus Skiz ­zen und Ent ­würfen des Komponisten arrangiert hat. Nicht der erste und einzige Versuch, zu vollenden, was Bruck ­ner nicht zu vollenden gegönnt war, aber ein durch sein apokalyptisches Tönen geradezu überwältigender.

Andreas Friesenhagen