Kölner Doppel

Erstaunlich. Trotz der zügigen, jedoch von unnötiger Eile gänzlich freien Publikationsfrequenz bleibt bei den beiden vom Label Oehms produzierten Kölner Gesamteinspielungen der Sinfonien von Tschaikowsky und Mahler sowohl die künstlerische Qua ­lität wie der interpretatorische Zugriff auf anhaltend hohem Niveau. Voraus ­setzung dafür ist die natürlich wirkende Klang- wie Spielkultur des Gürze ­nich-Orchesters, ebenso wie eine Aufnah ­me ­technik, die die angenehm räumliche Akustik der Kölner Philharmonie nicht unnötig nachreguliert. Zudem aber ist es die Umsetzung der Parti ­tu ­ren, die anhaltend fasziniert. Unter dem GMD Markus Stenz liegt vom Mahler-Zyklus nun bereits mehr als die Hälfte vor (Nr. 1 bis 5 und die »Wunderhorn-Lieder«), und unter dem Ehrendiri ­gen ­ten Kitajenko ist mit vier Tschai ­kowsky-Sinfonien (einschließlich »Man ­fred«) ebenfalls das größte Stück geschafft (es fehlen nurmehr die Sinfonien Nr. 2 bis 4).

Beeindruckend sind dabei die fast schon zyklisch geformte Konstanz sowie die innere Konsistenz, die die Projekte wechselseitig auszeichnen. Bei Kitajenko besticht vor allem die klare Konturierung der Span ­nungsbögen wie auch die Geschlossenheit des Klanges, bei Stenz hingegen (entsprechend den Anforderungen der Partitur) die Durchhörbarkeit der Faktur und die präzise Artikulation. Beide Wege führen auf unterschiedliche Weise zu einer faszinierend ungezwungenen, alles andere als äußerlichen Brillanz: Die Politur erscheint keinesfalls (wie in anderen Fällen) so flächendeckend aufgetragen, dass das Or ­ches ­ter unnahbar würde vor imposantem Glanz. Gerade hierin liegt die eigentliche Qualität des traditionsreichen Klang ­körpers und der im besten Sinne des Wortes »musizierten« Ein ­spie ­lun ­gen. Ein Glücksfall.

Michael Kube

Foto: Catrin Moritz/Gürzenich-Orchester Köln
Foto: Catrin Moritz/Gürzenich-Orchester Köln

Gürzenich-Orchester Köln

Bis zurück ins 15. Jahrhundert reicht die Geschichte von Kölns städtischem Orchester. Seinen heutigen Namen verdankt der Klangkörper der langjährigen Spielstätte, dem kölnischen Festsaal Gürzenich. Zu den bedeutenden Uraufführungen gehören Brahms´â€ˆDoppelkonzert, die dritte und fünfte Sinfonie von Mahler sowie die beiden Strauss´schen Tondich ­tun ­gen »Don Quixote« und »Till Eulenspiegel«.