Nikolaus Harnoncourt

Der Wahrheitssucher

Nikolaus Harnoncourt hat die Ohren justiert und den Blick geschärft fürs genaue Lesen der Partituren: Am 5. März ist die Leitfigur der historischen Aufführungspraxis 86-jährig in St. Georgen im Attergau gestorben.

Von Götz Thieme

Foto: Marco Borggreve/Sony
Foto: Marco Borggreve/Sony

Für Nikolaus Harnoncourt, den Cellisten, Ensemblegründer, Dirigenten und Forscher, war Musik nie Spiel, Zeitvertreib. „Die Kunst“, sagte er einmal, „ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.“ Und obwohl er zu dem Schluss kam, dass die Kunst „die Sprache des Unsagbaren“ sei, sah er darin keinen Widerspruch, den Hirnapparat einzuschalten, sich beim Musizieren nicht den Konventionen, nie den faulen, sondern nur den überlegten Kompromissen (ohne sie geht es nicht, das wusste er) hinzugeben, vor allem immer zu fragen: warum. Damit wurde Harnoncourt zur Überfigur der sogenannten historisch informierten Aufführungspraxis. Ein Begriff zwar, bei dem er durch die Nase schnaubte: „Ein Ausdruck, bei dem mir persönlich sofort schlecht wird. Was soll ,informiert‘ denn heißen?! Wir haben immer nur gesagt: ,auf historischen Instrumenten‘ – und fertig. Der Ausdruck ,authentisch‘ passt auch nicht. Authentisch sein kann nur der Komponist.“


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Mai 2016