Fritz Wunderlich

„Ich habe gelebt und geliebt“

Noch fünfzig Jahre nach seinem tragischen Unfalltod am 17. September 1966, neun Tage vor seinem 36. Geburtstag, ist Fritz Wunderlich in der Musikwelt sehr präsent. Denn sein Singen berührt den Zuhörer heute genauso wie damals. Von Thomas Voigt

Foto: privat
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Württembergisches Staatstheater Stuttgart, September 1963. Neuinszenierung von Verdis „La Traviata“, man probt den ersten Akt. Beim Duett Violetta-Alfred unterbricht Regisseur Arno Assmann und bittet einen Assistenten, schnell einen Cognac zu holen. Der ist für Ruth-Margret Pütz, die Sängerin der Titelrolle. Sie weint, und „Schuld“ daran ist Fritz Wunderlich. Er hat die Liebeserklärung des Alfredo an die schwindsüchtige Vio­letta so herzbewegend gesungen, dass die Sopranistin ganz außer Fassung ist. Noch Jahrzehnte später schießen ihr die Tränen in die Augen, wenn sie sich da­ran erinnert: „Sein Gesang ist mir derart unter die Haut gegangen, dass ich zu ihm gesagt habe: Hör auf, du machst mich fertig! – Und ich muss ehrlich sagen: Noch heute trifft mich das so, wenn ich seine Platten höre.“

Damit steht sie nicht alleine. Wunderlich gehört zu den Sängern, die den Zuhörer heute genauso bewegen und berühren wie vor 50, 60 Jahren. In seinem Text zur Wunderlich-Edition „Original Masters“ hat es der Musikjournalist Jens Malte Fischer auf den Punkt gebracht: Wunderlichs Aufnahmen „sprechen zu uns, als seien sie erst gestern aufgenommen worden. Sie haben eine Unmittelbarkeit, Ausstrahlungskraft und vitale Frische, die einzigartig ist. Nur so erklärt sich, dass vor allem junge Menschen, die keine eigenen, direkten Erinnerungen an diesen Sänger haben können, auf ihn und seine Stimme ansprechen, als ob er ein absolut gegenwärtiger Teil des Musikbetriebes sei.“


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Oktober 2016