Philip Glass

Magie der Wiederholung

Mit dem 80. Geburtstag ihrer Ikonen Steve Reich und Philip Glass feiert die Minimal Music ein halbes Jahrhundert Erfolgsgeschichte. Ein Rückblick von Dirk Wieschollek

Foto: Don Hunstein/Sony music entertainment
Foto: Don Hunstein/Sony music entertainment

Der Gedanke musikalischer Wiederholung ist wahrscheinlich so alt wie die Musik selbst. Ob pures Kommunikationssignal oder zweckfreie Freude am Spiel, schon in grauer Vorzeit dürfte es Menschen sinnvoll erschienen sein, einen Klang öfter als einmal zu produzieren. Ungefähr 50.000 Jahre später ist das Prinzip Wiederholung aus der abendländischen Musik nicht mehr wegzudenken, ob als Strophenlied, barocke Sequenz, dreiteilige Liedform, arpeggierte Begleitfigur oder wörtliche Reprise riesiger Formteile, die in Bruckners Sinfonien die Geduld strapazieren. Es dauerte allerdings bis zum 4. November 1964, dass sich in der westlichen Musik-Hemisphäre – wie zuvor bereits Rhythmus, Dissonanz und Klangfarbe – auch die Wiederholung aus dem gewohnten musikalischen Rahmen emanzipierte und zum Motor einer ganzen Komposition wurde – Wiederholung, Wiederholung, nichts als Wiederholung. Obiges Datum markiert die Uraufführung von Terry Rileys Ensemblestück „In C“ (in San Francisco) und damit die Initialzündung dessen, was wir heute „Minimal Music“ nennen. Über einem unerschütterlich durchgehämmerten hohen C des Klaviers spielen diverse Instrumentalisten (die Besetzung des Stückes ist offen) eine Folge von 53 kurzen melodischen Figuren. Das musikalische „Pattern“ als elementarer Baustein des gesamten Klanggeschehens war geboren. Neben der strikten Wiederholung kleiner motivischer Muster ist für „In C“ das Prinzip der „offenen Form“ aber ebenso grundlegend. Zwar fangen alle Spieler gemeinsam an, die Anzahl der Wiederholungen, bevor man zur nächsten Spielfigur übergeht, ist jedoch jedem Musiker freigestellt! Konsequenz: Das Stück ist nicht nur von der äußeren Dauer her variabel, sondern auch in seiner inneren Struktur. Deren Reiz liegt darin begründet, dass immer andere rhythmische Verschachtelungen und motivische Kombinationen denkbar sind.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Februar 2017