Yo-Yo Ma

Party mit Cello

Der Cellist Yo-Yo Ma macht keinen Unterschied zwischen Klassik und Jazz, Folk und Weltmusik. Gerade ist die sechste CD seines Silk Road Ensembles erschienen, im Herbst kommt der Dokumentarfilm „The Music of Strangers: Yo-Yo Ma & The Silk Road Ensemble“ ins Kino. Von Arnt Cobbers

Foto: Michael O‘Neill
Foto: Michael O‘Neill

Am Abend zuvor hat Yo-Yo Ma ein eindrucksvolles Konzert gegeben: Dvoráks Cellokonzert mit der Staatskapelle  Berlin und Daniel Barenboim in der ausverkauften und nach dem Schlussakkord euphorisierten Philharmonie. Beim Interview am nächsten Morgen ist der wohl bekannteste Cellist der Welt bester Laune, begrüßt mich herzlich und gibt mir in der Hotelsuite das Gefühl, ein spezieller Gast zu sein, auf den er sich besonders gefreut hat. Yo-Yo Ma, in schwarzem Anzug mit Einstecktuch, aber ohne Krawatte, ist ein Kommunikationsprofi – und doch wirkt seine Art nicht aufgesetzt.
Wohnen Sie in Berlin?, fragt er mich als Erstes. Sind Sie hier geboren? Um danach fortzufahren: Eine tolle Stadt, ich mag sie sehr. Ich habe in Tokio ein Konzert gegeben an dem Tag, als die Mauer fiel, da war der deutsche Botschafter auch da. Das war einer der größten Tage in unser aller Leben, etwas, das ich nie erwartet hätte, erträumt in ferner Zukunft, aber dass ich das erleben würde, hätte ich nicht gedacht. Unglaublich!

Herr Ma, es war schön, gestern als Zugabe mal keinen Bach zu hören. Was war das für ein Stück?
Das ist von Adnan Saygun. Ich habe seine Musik kennengelernt durch einen Weinhändler in Chicago. Das war vor zwölf oder 15 Jahren, ich war bei Daniel Barenboim, der damals das Chicago Symphony Orchestra leitete, zum Essen eingeladen und wollte ihm eine Flasche Wein mitbringen. Der Händler wollte mir helfen, wir kamen ins Gespräch, und schließlich stellte sich heraus: Er war Bratscher und stammte aus der Türkei. Er hatte noch bei Hindemith an der Hochschule in Ankara studiert und war ihm später nach Yale gefolgt, um seine Studien abzuschließen. Er erzählte mir von Saygun, der Hindemith in den 30ern in die Türkei geholt hatte. Ich habe dann selbst über Saygun weitergeforscht, der sich wie Bartók oder Kodaly viel mit Volksmusik beschäftigt hat.

Sie wirken, als würden Sie sich sehr wohlfühlen im Konzert. Haben Sie zu Hause beim Cellospielen auch so viel Spaß?
Ich denke, wenn man sich einer Sache ganz hingibt, wenn man hundert Prozent gibt für was auch immer, eine Arbeit, ein Problem zu lösen, Musik zu machen – das macht einen glücklich.

Es gibt Musiker, die sagen, es gehört Mut dazu, auf die Bühne zu gehen und vor Publikum zu spielen.

Eine wichtige Frage ist: Warum tust du das? Für wen? Viele antworten dann: Für meinen Lehrer, meine Eltern, für meine Freunde. So musst du es spielen!, so ist es richtig, hat der Lehrer immer gesagt. Und dein ganzes Leben hörst du ihn das sagen. Er ist lange tot, aber du hörst ihn immer noch. Musiker lernen viele Jahre lang, für eine lange Zeit im Leben ist man als Musiker der Schüler eines anderen. Aber irgendwann kommt der Umschwung, wo du deinen eigenen Weg findest, wo du all die Lehren und Einflüsse verarbeitest und wo du dein eigener Lehrer wirst. Und wenn du dir selbst ein netter Lehrer bist, vergibst du dir Fehler.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Juni 2016