Daniil Trifonov

Beschwörungen

Der Wunderpianist Daniil Trifonov stellt sein viertes Album vor: „Evocations“ mit Werken geschrieben oder
inspiriert von Chopin.

Von Arnt Cobbers

Fotos: Dario Acosta / DG

Es lastet viel auf seinen Schultern. „Was er mit seinen Händen macht, ist technisch unglaublich. Hinzu kommt sein Anschlag – ich habe so etwas noch nie gehört“, sagte keine Geringere als Martha Argerich. Und die Londoner „Times“ erklärte ihn zum „erstaunlichsten Pianisten unserer Zeit“. Damit muss man erst einmal klarkommen. Wie auch mit den Gegenreaktionen. Macht man sich im Internet schlau über Daniil Trifonov, der 2010 den Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb gewann und 2013 mit einem Live-Mitschnitt aus der Carnegie-Hall bei der Deutschen Grammophon debütierte, versteht man, warum der inzwischen 26-Jährige angeblich keine Lust mehr hat auf Interviews. Vom „blassen Hänfling“ ist da die Rede, vom „Nerd“, vom Hochbegabten, der dann doch kein Genie sei, weil er am Klavier zuweilen „verloren geht in Technik und Exaltation“ fast „wie ein Betrunkener“. Eine Kollegin fragte mich gar: „Das ist schon ein Autist, oder?“

Mein Eindruck war ein anderer. Rund um Trifonovs Konzerte bei den Salzburger Festspielen hatte die Deutsche Grammophon zum „Showcase“ mit anschließenden Interviews geladen. Eröffnet wurde der Nachmittag mit einem Video zum Fantaisie-Impromptu, in dem Trifonov gedankenschwer auf einem Flügel in einer leeren Fabrikhalle spielt, während traumartig eine Ballerina und schließlich Chopin selbst erscheinen, der, das wird bald klar, das Stück aus Liebe zu dieser Tänzerin komponiert. Dann spielte Trifonov Frederic Mompous ausgedehnte und nicht einfach zu verdauende Chopin-Variationen vor den permanent klickenden Kameras. Und schließlich gab’s ein Interview mit dem DG-Pressemann, in dem sich Trifonov auch auf Nachfrage nicht dazu verleiten ließ, das Video als seine Deutung des Stückes auszugeben. Das sei die Sicht des Regisseurs. Ansonsten aber präsentierte er sich als von der 30°-Hitze ermatteter, aber zugänglicher Gesprächspartner.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe November 2017