Diana Damrau

Ins Herz geschaut

Vor einigen spannenden Debüts glänzt Diana Damrau im Mitschnitt von Hugo Wolfs Italienischem Liederbuch.

Von Georg Rudiger

Foto: Juergen Frank

Ein Paar steht auf der Bühne. Auf Kränkung folgt eine Rechtfertigung, auf ein Liebesgeständnis eine intime Antwort. Eine echte Beziehungskiste ist im Festspielhaus Baden-Baden bei diesem besonderen Liederabend mit Hugo Wolfs „Italienischem Liederbuch“ zu erleben – mit allen Höhen und Tiefen. Daneben entsteht eine übergeordnete Dramaturgie, die sich sogar in der Farbe der Stola äußert, die Diana Damrau um den Hals trägt. Über Schmetterlinge im Bauch beim ersten Kennenlernen geht es durch heftige Streitereien in eine von Abschied und Tod geprägte melancholische Stimmung, ehe am Ende wieder leichtere und spöttischere Töne die Oberhand gewinnen.

Diana Damrau und Jonas Kaufmann verkörpern die emotionale Achterbahnfahrt mit jeder Faser ihrer Körper. Jedes Lied hat eine eigene Choreografie. Mal Annäherung, mal Ablehnung, mal Hingabe, mal Zurückhaltung – und alles dazwischen. Da spürt man die große Bühnenerfahrung der beiden. Besonders Diana Damrau hat ein schier unerschöpfliches Reservoir an Blicken und Gesten. Die Sopranistin verfügt über eine stimmliche Flexibilität, mit der sie blitzschnell vom Hochdramatischen ins Lyrische wechseln kann. Der kongeniale Liedbegleiter Helmut Deutsch vermittelt am Klavier zwischen den Extremen, gibt Stimmungen vor, trägt Spannungen weiter oder löst sie mit einer Phrase auf.

Ein knappes Jahr später in der Le Muh Bar im Swissôtel Zürich. Draußen pfeift ein eisiger Wind, drinnen zieht es am einzig freien Tisch. Heute hat Diana Damrau anlässlich der Veröffentlichung des neuen Albums mit dem „Italienischen Liederbuch“ einen Medientag eingelegt. Wegen des vielen Schnees habe sich das Interview mit dem Schweizer Radio verzögert, meldet die PR-Agentin in einer SMS, deshalb werde es ein wenig später.

Ganz ohne Komplikationen scheinen meine Begegnungen mit der Sängerin nie zu verlaufen. Unser Gespräch im Jahr 2009 in Baden-Baden vor ihrem Liederabend mit dem Harfenisten Xavier de Maistre wurde kurzfristig in die kleine Künstlergarderobe des Festspielhauses verlegt, weil wegen anstehender Filmaufnahmen noch Frisur und Make-Up gemacht werden mussten – denkbar schlechte Voraussetzungen für ein Interview, wenn Blickkontakt nur über den Schminkspiegel möglich ist und an der Befragten ständig herumgezupft wird. Aber Diana Damrau schaffte mit ihrem entwaffnenden Humor und der unkomplizierten Art sofort eine vertraute Atmosphäre. Das Telefoninterview anlässlich ihres Meyerbeer-Albums vor zwei Jahren führte sie zunächst auf dem Handy ihres Vaters, der es nach einigen Minuten zurückforderte. Nach einer kurzen familiären Diskussion war dann doch die Festnetzleitung zum Hotelzimmer möglich.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe April 2019