Jean Rondeau

Spiel mit der Stille

Dem Cembalisten Jean Rondeau machen die Grenzen seines Instruments wenig Sorge. Denn er komponiert auch und spielt Jazz.
Von Arnt Cobbers

Foto: Edouard Bressy/Warner Classics
Foto: Edouard Bressy/Warner Classics

Mit dem Organisten Cameron Carpenter kam ein Punk in die klassische Musik, mit dem französischen Pianisten Lucas Debargue ein Nerd, mit dem ebenfalls aus Frankreich stammenden Cembalisten Jean Rondeau nun ein Hipster. Jedenfalls, wenn man nach der äußeren Erscheinung geht, was bei der Vermarktung bekanntlich keine geringe Rolle spielt. Jedoch: Was ließe sich an Carpenters Spiel als punkig bezeichnen, abgesehen vielleicht von den straffen Tempi, die er mag? Und was wäre an Debargues Musikalität nerdig, ausgenommen vielleicht sein Hang, sich beim Spielen in den Details eines Stückes einzugraben? Ähnlich verhält es sich mit der Hipsterhaftigkeit von Jean Rondeau.

Das Cover seiner neuen CD zeigt ihn mit zugewachsenem Apostelkopf, Caravaggio hätte daran seine Freude gehabt; die Innenseite der CD-Hülle präsentiert ihn wiederum im Typus Waldschrat, tatsächlich im Wald abgelichtet, Haare und Bart fallen auf ein Holzfällerhemd herab.

So trifft man ihn auch beim Interview in Berlin, einen nachdenklichen, eher stillen Mann, dem man durchaus abnehmen kann, dass er sein Haar nicht schert, weil er wichtigere Dinge im Kopf hat; und dass er seine karierten Hemden trägt, weil ihr Material Haltbarkeit verspricht und damit einen verringerten Zwang, einkaufen zu gehen. Ein kleiner Koffer steht in einer Ecke des Raumes, „das ist mein Haus“ sagt er, deutet darauf und lächelt. Einen festen Wohnsitz hat Jean Rondeau derzeit nicht, vielleicht wird es irgendwann wieder Paris, wo er aufwuchs und studierte; am Abend zuvor ist er in Brüssel aufgetreten.

Das Cembalo scheint seine Spieler zum Wesentlichen zu führen. Anders als die Fotos vermuten lassen, interessiert Selbst­inszenierung den Franzosen jedenfalls nicht übermäßig: „Das Schönste am Cembalo ist doch eigentlich, dass es kein Instrument ist, mit dem sich repräsentieren lässt“, sagt er. „Man kann keine Show machen, schon allein wegen der begrenzten Klangkraft.“ Allerhand für einen mehr und mehr Bekanntheit erringenden Nachwuchskünstler, von dem man eigentlich erwartet hätte, er wolle nun die ganze Welt vom Cembalo überzeugen! Ein Konzert in der Berliner Philharmonie oder in der Carnegie Hall? Rondeau winkt gelassen ab: „Funktioniert nicht.“


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Juni 2017