John Adams

Ein amerikanischer Klassiker

In der vergangenen Saison war John Adams der  erste Composer-in-residence der Berliner Philharmoniker.  Nun erscheinen, in einer Box zusammengefasst,  die Konzertmitschnitte seiner Werke und ein Film über  seine Besuche in Berlin.  

Von Arnt Cobbers

Foto: Lambert Orkis

Hierzulande gilt der vor 70 Jahren in Worcester, Massachusetts geborene John Adams als der dritte Heroe der Minimal Music, neben den zehn Jahre älteren Steve Reich und Philip Glass. Dabei komponiert er längst „post-minimalistisch“, in einer Musiksprache, die in der Tradition wurzelt, aber doch unüberhörbar von heute ist, die komplex und zugänglich ist – und mit der Adams zumindest außerhalb Europas große Erfolge feiert. Auf seiner Homepage schaut Adams den Besucher ernst, fast böse an. In natura ist er ein sehr netter, unprätenziöser, immer wieder verschmitzt lächelnder Gesprächspartner. Wir trafen uns Ende September im Konzertmeisterzimmer der Berliner Philharmoniker.

Herr Adams, Sie sind einer der erfolgreichsten Komponisten der Welt. Was machen Sie besser als Ihre Kollegen?
Besser? (lacht) Was ist Erfolg? Es ist eine sehr kleine Welt, die Welt der zeitgenössischen klassischen Musik. Arvo Pärt wird oft aufgeführt und verkauft viele CDs, Steve Reich wurde über viele Jahre kritisiert von den Kritikern, und heute stimmen alle überein, dass er einer der großen Komponisten ist, ich habe „Einstein on the Beach“ letztes Jahr gesehen, das ist ein wunderbares Werk. Wenn ich zu dieser Liga gezählt werde, fühle ich mich glücklich und geehrt. Was mich vielleicht unterscheidet, ist, dass ich gern in traditionellen Formen arbeite. Ich liebe das Orchester, ich schreibe große Orchestermusik, ich habe Opern und Oratorien geschrieben. Na gut, Philip Glass hat um die 25 Opern geschrieben, den werde ich nicht mehr einholen. (lacht) Meine Generation kam zu einer kritischen Zeit auf die Szene, als die Moderne ihren größten Einfluss ausübte. Die Komponisten, von denen man als Student beeindruckt war, waren Berio und Boulez und – wenn man besonders wild war – Stockhausen. Ich habe diese Leute bewundert, aber ihnen folgen wollte ich nicht. Als wir damals zur Tonalität und zum regelmäßigen Puls zurückkehrten, wurden wir kritisiert als Epigonen, wir würden das Rad nochmal neu erfinden usw. Aber ich denke, diese Elemente sind essenziell für den musikalischen Prozess. Sie aufzubrechen und zu atomisieren, wie es die europäischen Modernen taten, führte in eine Sackgasse, das war mir schon früh klar. Wir haben eine große Zuhörerschaft – in dem sehr kleinen Kontext der zeitgenössischen Musik. Als ich im Herbst 2016 nach Berlin kam und zwei meiner Stücke dirigierte – und als Simon später das Oratorium dirigierte, war es ähnlich –, da erschien mir das Publikum sehr warmherzig und enthusiastisch. Die Kritiker dagegen haben mich nicht ernst genommen, die sagten kaum was. Ich habe den Eindruck, dass hier immer noch ein Kampf geführt wird, die Moderne ist immer noch sehr einflussreich in Europa.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Januar 2018