Tamar Halperin

„Die Freiheit nehme ich mir“

Tamar Halperin hat das schönste Satie-Album des Jahres herausgebracht. Und die bekennende Wandlerin zwischen den Welten verfolgt noch weitere spannende Projekte. Von Arnt Cobbers

Foto: Gregor Hohenberg
Foto: Gregor Hohenberg

Die israelische Pianistin und Cembalistin wohnt mit ihrem Mann, dem Countertenor Andreas Scholl, im idyllischen Rheingau-Dorf Kiedrich, in einem alten Weingut, dessen Haupthaus aus dem Jahr 1685 stammt! Während wir im Hof bei einem Kaffee sitzen, beschäftigt sich das neue Au-pair-Mädchen mit der einjährigen Tochter Alma, und zwischendurch taucht sogar ein Eichhörnchen auf, guckt in die verschiedenen Gebäude hinein und rennt wieder aus dem Hof hinaus. „Das war schon ein Kulturschock“, sagt Tamar Halperin, die in Tel Aviv aufgewachsen ist und sieben Jahre in New York gelebt hat. Zumal sie nicht mal Weintrinkerin ist und das Interview (noch) lieber auf Englisch als auf Deutsch führt. „Eigentlich ist es großartig, von Konzerten in aller Welt hierhin zurückzukommen, die Natur zu genießen und in Ruhe im Studio arbeiten zu können.“ In der Babypause hat sie manchmal den Kontakt zur großen Welt vermisst, doch sie hat die Zeit auch genutzt, um den Satie und eine Bach-CD aufzunehmen, die im nächsten Jahr erscheinen soll. Auch wird sie demnächst wieder auf Konzertreisen gehen.

Ich gebe sehr gern Konzerte. Das war früher anders. Mit 18, 19 Jahren habe ich meine ganze Energie, mein ganzes Herzblut in die Konzerte gegeben, und zurück bekam ich den Applaus von alten Leuten, ich fühlte mich nicht wirklich verbunden mit dem Publikum. Das hat mich auch dazu getrieben, neue Wege zu suchen, um Musik aufzuführen. Inzwischen kann ich klassische Konzerte mehr genießen, aber ich spiele auch sehr gern in Clubs und freue mich über alles, was die Konventionen des klassischen Konzerts aufbricht.

Stimmt es, dass Sie zunächst Tennisspielerin werden wollten?
Ja, ich habe mit drei Jahren meinen ersten Schläger bekommen, mit acht oder neun wurde es wirklich ernst, und bis ich 14, 15 war, habe ich sechs Stunden pro Tag gespielt, in den Ferien war ich auf Turnieren in ganz Israel. Aber dann kam der Punkt, wo ich mich voll aufs Tennis hätte konzentrieren müssen. Das wollte ich nicht. Mir fehlt auch der Killerinstinkt, den man speziell für Tennis braucht. Finanziell war es vielleicht keine gute Entscheidung, aber ansonsten ja. (lacht) Klavier spiele ich, seit ich klein bin. Ich bin mit Musik aufgewachsen, zwar spielte keiner in der Familie ein Instrument, aber alle hörten Musik aus ganz verschiedenen Genres.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe September 2016