Valery Gergiev

Wie ein guter Kapitän

Der unermüdlich dirigierende Valery Gergiev bleibt auch auf dem CD-Markt präsent. Kürzlich hat sein neues Orchester, die Münchner Philharmoniker, ein eigenes Label gegründet, auf dem wichtige Mitschnitte erscheinen. Im Zentrum wird in den nächsten Jahren Bruckner stehen.  

Von Arnt Cobbers

Foto: Alexander Shapunov

Zwei Jahre ist Valery Gergiev inzwischen Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Die Aufregung um seine politischen Aussagen hat sich gelegt, auch die Unkenrufe, dass bei der angeblich mangelnden Probenarbeit des permanent in aller Welt herumjettenden Russen die Qualität des Orchesters leiden werde, haben sich nicht bewahrheitet.

„Herr Gergiev, ich würde mit Ihnen gern über die Mysterien des Dirigierens sprechen. Sie sind einer der wenigen Dirigenten, in deren Konzerten regelmäßig ,magische Momente‘ entstehen. Gibt es dafür ein Geheimrezept?“

„Ein Dirigent muss organisieren können, er muss Führungsqualitäten haben, was die Organisation der Proben, der Vorbereitungen, des Zusammenspiels von Orchester, Chor, Sängern betrifft. Dann kommt, noch wichtiger, die krea­tive Qualität hinzu. Eine nachschöpferische Qualität. Man kann nicht so tun, als hätte man die zweite Sinfonie von Brahms geschrieben, aber man kann vermitteln, dass man diese Musik so liebt, dass man seine Liebe und seine Vision von der Musik mit den Musikern teilen will. Das betrifft beides den Probenprozess. Dann kommt, noch wichtiger, eine dritte Qualität hinzu: Wenn das Konzert beginnt, kannst du nichts mehr sagen. Ich hatte das Glück, dass ich viele Aufführungen großer Dirigenten hören und vor allem sehen konnte. Wenn Sie einen großen Dirigenten sehen, wie er einen Moment erschafft von unglaublicher Energie, von einem Maximum an Expression, von höchster Emotionalität, dann wirkt es, als hätte nicht nur der Komponist etwas geschaffen, sondern als schaffe auch der Dirigent gerade jetzt etwas. Vor allem bei ruhiger Musik, und Gott sei Dank gibt es viele schöne ruhige Abschnitte, die nicht schreien, sondern voller Magie sind, da sollte der Dirigent diese höchst magischen Botschaften des Komponisten, seine Worte, seine Gedanken, die sehr tief und wie eine Predigt sein können, zumindest nicht stören. Da muss der Dirigent dem Komponisten folgen. Der Dirigent braucht Führungsqualitäten, er muss sich aber auch unterordnen können, sich disziplinieren, dass er die Wünsche des Komponisten bis in die kleinsten Details hinein erfüllt.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Juli 2017