John Coltrane

Schreie zum Himmel

Vor fünfzig Jahren verstarb John Coltrane, dessen Einfluss sich kaum ein Saxofonist entziehen kann. Mit seinen ekstatischen, endlosen Soli und seiner spirituellen Hymnik stieß er zu Lebzeiten noch auf viel Unverständnis. Heute wird er geradezu kultisch verehrt, gehören einige seiner Platten zu den bedeutendsten des modernen Jazz.

Eine Chronik von Karl Lippegaus

Foto: Jean-Pierre Leloir

Zum Teufel mit den Regeln, was zählt, ist das Feeling. Du spielst sowieso alle zwölf Töne in deinem Solo.“

Wir blicken auf eine Zeit ohne Internet, Downloading, Mobiltelefone und E-Mail. Staunend erleben viele die Stereofonie. Jazzfans haben Mühe, „die Klage des Schlangenbeschwörers“ (Variety), einen Radiohit namens „My Favorite Things“ von John Coltrane aufzustöbern. In den USA können viele Reporter seinen Namen nicht mal richtig schreiben, was sich bald ändern wird.

Erst im letzten Drittel der Prestige-Alben von Miles Davis ist Trane zu hören. Ab der 16. von 24 LP-Seiten der Complete Recordings 1951-56. Diese frühen Platten sind ihm peinlich. „Warum will Miles mich dabei haben? Vielleicht hört er etwas Ausbaufähiges? Was ich mit ihm ab 1955 tat, hätte ich schon 1947-48 tun sollen.“

1955 beendet Trane sein Dasein als unterbezahlter Sideman. Die ersten acht Monate noch häufig arbeitslos, hat er im September einige Gigs mit dem Organisten Jimmy Smith. Von Philly Joe Jones und Red Garland bekommt Miles den Tipp: „Red und ich brüllten: Coltrane!“ Der Trompeter bringt Trane ans Arbeiten, harmonisches Wissen fehlt ihm noch, er findet nicht das passende Mundstück. Zweieinhalb Jahre vergehen, als der 18-jährige Noal Cohen sie in Rochester erlebt. „Miles verließ oft die Bühne. Trane war Trane – viele Töne, als würde er auf der Bühne üben.“ Im Mai 1956 versucht er vom Heroin loszukommen. Harter Entzug – ein halbes Jahr später ist er clean. Zwei Wochen im Café Bohemia im Greenwich Village, die Band erobert New York, er wird ein gefragter Studiomusiker. „Der Ton, den man auf egal welchem Instrument erzeugt, hängt (auch) von der Klangkonzeption ab, die man innerlich hört.“


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe August 2017