Leonard Bernstein

Er war Musik

So viel Feier war nie. Zwei Spielzeiten lang wird der 100. Geburtstag von Leonard Bernstein am 25. August 2018 in aller Welt gefeiert.

Von Bernd Feuchtner

Foto: Sony Music Archives

Im September 2017 fällt im Kennedy Center in Washington der Startschuss, und dann zieht sich der Konzertreigen bis in den August 2019. Drei Festivals, mit denen Bernstein besonders verbunden war, werden sich seinem Werk widmen: das Tanglewood Festival, die Musikfestspiele Schleswig-Holstein und das Pacific Music Festival. Gefeiert wird nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa und Israel, ja in Indien, China und Japan, in Australien, in Südafrika und Brasilien. Hierzulande würdigt ihn etwa die Philharmonie Essen mit einer Konzertreihe.

Erinnert wird an die vier Bereiche seines Engagements: den Komponisten, den Dirigenten, den Pädagogen und den Humanisten. Doch alle vier hatten den gleichen Fokus. Leonard Bernstein war Musiker. Er brannte für die Musik. Der Mann war Musik. Allein für die Bühne schuf Bernstein Klassiker wie die Musicals „West Side Story“ (1957) oder „On the Town“ (1944), die Operette „Candide“ und die Oper „A Quiet Place“ (1984). Er schrieb drei programmatische Sinfonien und schreckte – als Jude – nicht einmal vor einer Messe zurück.

Das klingt zunächst einmal nach einem breit angelegten musikalischen Talent, doch verbirgt sich mehr hinter den bekannten Titeln: Die „West Side Story“ wandte sich gegen den sehr gegenwärtigen Rassismus und gegen die Heuchelei und Bigotterie der weißen Oberschicht, und „Candide“ brachte Voltaires Klassiker der Gesellschaftskritik gegen die Hexenjagd der McCarthy-Ära in Stellung. Bernsteins zweite Sinfonie „The Age of Anxiety“ ist ein Spiegel der dunklen 1940er-Jahre. Und seine „Mass“ ist der theatralische Versuch einer amerikanischen Selbstprüfung – eines Landes, das einen schändlichen Krieg (in Vietnam) führt und in eine Identitätskrise geraten ist. Leonard Bernstein war Amerikaner und setzte seine Fähigkeiten dafür ein, ein nützliches Mitglied seiner Gesellschaft zu sein. Dank seiner Popularität wurde ihm das meist vergeben.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe September 2017