Molina Visuals

»Ein gutes Bild muss ikonisch sein«

Klassische Musik zu visualisieren ist das Ziel von Molina Visuals. Das Ergebnis sind stimmungsvolle Bilder, die oft an historische Gemälde erinnern und den Geist der Musik atmen. Mit den beiden Gründern Josep Molina und Marcella Neudert sprach Björn Woll darüber, wie die Bilder entstehen und was ein gutes Künstlerfoto ausmacht.

Das Porträt von The Sixteen ist aus mehreren Fotos zusammengesetzt und gehört zu den aufwändigeren Arbeiten von Molina Visuals. Foto: Molina Visuals
<i>Das Porträt von The Sixteen ist aus mehreren Fotos zusammengesetzt und gehört zu den aufwändigeren Arbeiten von Molina Visuals. Foto: Molina Visuals</i>

Warum haben Sie Molina Visuals gegründet?

Josep Molina   Eigentlich komme ich aus der Klassik: Ich begann als Geiger und war Mitglied in einem Streichquartett. Schon als ich noch im Orchester gespielt habe, brachte ich immer meine Kamera mit, zu rein dokumentarischen Zwecken. Erst später begann ich darüber nachzudenken, wie man durch Fotografie ein bestimmtes Image kreieren kann. An diesem Punkt haben wir Molina Visuals gegründet, um mit individuellen Konzepten zu einzelnen Künstlern völlig neue Wege zu gehen. Wir haben mit Fotografie begonnen, dann kamen Videoproduktionen hinzu, und nun sammeln wir erste Erfahrungen mit Multimediaprojekten.

Marcella Neudert   Das Wichtigste ist, egal ob Foto, Video oder Multimedia, dass es ein starkes Konzept hinter dem Bild gibt. Klassische Musik ist etwas sehr Tiefgründiges, da reicht es nicht, einfach ein schönes Foto zu machen. Klassische Musik ist so vielschichtig, und so müssen die Bilder auch sein. Natürlich sollen sie auf den ersten Blick etwas in uns ansprechen, aber darunter gibt es noch viele andere Schichten zu entdecken. Deshalb beschäftigen wir uns im Vorfeld immer sehr ausführlich mit dem Künstler und dem Repertoire, das er spielt. Nur so können wir die verschiedenen Facetten einer Persönlichkeit und von Musik in Bildsprache übersetzen.

Was macht den Unterschied aus zwischen einem guten Fotografen und einem guten Fotografen für klassische Musik?

JM   Es hat viel mit dem persönlichen Background zu tun. Als Fotograf für klassische Musiker muss man sich in die Künstler hineinversetzen können: Man muss wissen, was es heißt, auf der Bühne zu stehen, wie hart man für den Beruf arbeiten muss – was für ein Leben man als Berufsmusiker führt. Alle Konzepte entwickele ich direkt aus der Musik, auf der Grundlage meiner eigenen Erfahrungen als Musiker. Das hat etwas zu tun mit der Sprache der klassischen Musik: Wir haben ein Stück eines Komponisten aus einer bestimmten Epoche, aber jeder Komponist, jede Epoche ist unterschiedlich, hat eine unterschiedliche Sprache und Bedeutung. Alle Informationen, die darinstecken, können wir für das Bild benutzen. Es ist ein großer Unterschied, ob man sich in der Sprache des Barock oder der zeitgenössischen Musik ausdrückt.

MN   Da ist aber noch etwas Wichtiges, das sich während der Fotosession oder der Videoproduktion abspielt. Viele Musiker mochten keine Fototermine, bevor sie mit uns gearbeitet haben. Manchmal sagen Sie uns: »Okay, ich will ehrlich sein: Ich mag keine Fotosessions, ich will das nicht machen. Aber mein Label sagt mir, dass ich es machen muss.« Doch es gibt immer einen Punkt, an dem sich das ändert: wenn sie realisieren, dass Josep ebenfalls Musiker ist und als professioneller Geiger gearbeitet hat. Dann haben sie Vertrauen, weil er einer von ihnen ist, sie sehen ihn dann nicht mehr so sehr als Fotografen. Außerdem erklären wir den Musikern immer, was wir gerade machen und was die Idee dahinter ist. Das schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre während der Aufnahmesession – und das kann man auf den Bildern sehen.

Was ist die große Herausforderung bei der Arbeit mit Musikern?

JM   Wichtig ist, dass ich vorher mit den Künstlern sprechen kann, um ihnen meine Idee zu erläutern. Wenn man sich dann für die Session wiedersieht, ist das ein ganz anderes Gefühl.

MN   Die Planung ist extrem wichtig, vor allem die kleinen Details. Je besser wir vorbereitet sind und umso reibungsloser alles läuft, umso entspannter sind alle. In diesem Moment sind die Musiker die wichtigsten Personen, daher versuchen wir, es für sie so angenehm wie möglich zu gestalten.

JM   Das ist ein großer Unterschied zwischen einem Fotografen für klassische Musik und etwa einem Fashion-Fotografen. Musiker sind keine professionellen Modells, sie wollen nicht vor der Kamera stehen, sie wollen viel lieber Musik machen und darüber nachdenken. Dessen muss man sich immer bewusst sein.

Was macht ein gutes Foto aus?

JM   Ein gutes Foto muss Magie haben. Es muss ikonisch sein, simpel und gleichzeitig aussagekräftig, damit man sich daran erinnern kann. Das zu erreichen ist wahnsinnig schwer. Wenn man sich nicht daran erinnert,   ist es kein gutes Foto, sondern einfach nur ein Bild.

MN   Ein gutes Bild muss uns emotional ansprechen: Man sieht ein Foto – und irgendwie verändert es uns. Das ist natürlich sehr subjektiv und schwer zu erklären, denn es ist nicht physisch greifbar, sondern nur zu spüren.

Making-of



Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe August 2013