Rezension August 2018

Händelfestspielorchester Halle | Haendeliana hallensis 1

Vermutlich haben unsere Vorfahren besser gehört als wir, waren sie doch akustischer Umweltverschmutzung wesentlich weniger ausgesetzt. Dennoch ist es fraglich, ob das Publikum, das etwa im Juli 1717 die Themsefahrt des englischen König Georg I. vom Ufer aus mitverfolgte, Händels Wassermusik en detail hören konnte.

Es kam wohl eher darauf an, dass der auf dem Hauptboot schippernde Regent selbst das Spiel des auf einem Begleitboot platzierten Orchesters genoss. Was er wohl auch tat, denn er soll die etwa einstündige Darbietung vermittels zweier Da-capos auf drei Stunden ausgedehnt haben.

Angesichts der hier vorliegenden famosen Einspielung des Händelfestpiel­orchesters Halle folgen wir dem Monarchen gerne und legen die CD mehrmals hintereinander auf. Das Ensemble ist Teil der Staatskapelle Halle, seine Musiker vollziehen seit 1993, einem Vierteljahrhundert also, den Spagat zwischen dem Spiel auf modernem und parallel auch auf barockem Instrumentarium. Und dies mit bewundernswerter Selbstverständlichkeit: Man höre beispielsweise nur das makellos luftig-leichte Spiel der Naturhörner.
Auf dieser CD ging es dem Ensemble und seinem Leiter Bernhard Forck um eine Abbildung der Breite von Händels Werk, weswegen neben der Suite aus der Wassermusik (HWV 348-350) und dem Concerto grosso g-Moll HWV 324 auch einige Arien aus Opern zu hören sind: nicht nur Schmankerl aus „Giulio Cesare“, sondern auch Trouvaillen aus weniger häufig zu hörenden Werken wie „Sosarme“ und „Arminio“. Die Auszüge aus der „Wassermusik“ sind brillant und voller Drive; das Spiel im von Händels Erinnerungen an Arcangelo Corelli profitierenden Concerto grosso g-Moll ist exzeptionell. Und auch die Arien mit dem bei aller Virtuosität stets absolut natürlich klingenden Altus Benno Schachtner sind makellos. Eine wunderbare Scheibe.

Gerhard Persché